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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Claudio Monteverdi

Lieder vom Krieg und von der Liebe (Madrigale guerrieri ed amorosi)

Maria Cristina Kiehr, John Bowen u.a., Concerto Vocale, René Jacobs

Harmonia Mundi France HMC 901736.37
(10/2000, 11/2000) 2 CDs

Die Madrigale Monteverdis waren der Schauplatz revolutionärer musikalischer Neuerungen. Im berühmt gewordenen Vorwort zum fünften Madrigal-Buch (1605) findet der Begriff der "seconda pratica" Verwendung; er bezeichnet eine Art der Textvertonung, die das Wort in den Mittelpunkt stellt. Monteverdi nahm sich unter Berufung auf die im Text dargestellten Affekte kompositorische Freiheiten, die im Sinne der traditionellen Kompositionsregeln verboten waren: Frei eintretende Dissonanzen oder wilde Koloraturen und Verzierungen brachten die Gemüter der Hörer in Wallung – es soll beim Publikum sogar zu Ohnmachtsanfällen gekommen sein.
Die ursprünglich rein vokale Gattung des Madrigals wird zudem mehr und mehr durch Instrumente bereichert. Im achten Madrigalbuch, erschienen 1638, konzentriert Monteverdi sich auf den Affekt des Zornes, der seiner Meinung nach bis dahin nicht überzeugend mit musikalischen Mitteln zum Ausdruck gebracht worden war. Er entwickelt dafür den "stile concitato", den "erregten Stil", und wendet ihn in den Madrigalen "guerrieri ed amorosi" an.
Nach der Beendigung seiner eigenen Gesangslaufbahn gelingt es René Jacobs immer wieder, herausragende Sänger um sich zu scharen und diese dann zu bewundernswerten Höchstleistungen zu führen – in diesem Fall Bernarda Fink, Maria Cristina Kiehr, Kobie van Rendsburg, Antonio Abete und andere. Bis hin zum kontrollierten Schreien wird der Ausdruck etwa bei den "Tötet!"-Rufen von "Gira il nemico insidioso Amore" gesteigert. Herzzerreißend traurig gestaltet Bernarda Fink im "Lamento della Ninfa" den Part des von ihrem Liebsten betrogenen Mädchens. Weit abseits aller lieblichen Schäfer-Lyrik schreit Aminta in "Perché ten fuggi" seine Liebesklage gierig und fordernd heraus.
Mit besonderer Sorgfalt und Könnerschaft behandelt René Jacobs auch den Instrumentalpart: Der mit Orgel, Cembalo, Laute oder Harfe besetzte Continuo wird von erstklassigen Musikern abwechslungsreich und virtuos ausgeführt und gerät dabei ebenso "sprechend" wie die Partien der Streich- und Blasinstrumente.
Im Vergleich mit Anthony Rooleys verdienstvoller, aber viel braverer Aufnahme dieser Madrigale von 1989 wird die Leistung von René Jacobs und seinem Concerto Vocale vollends deutlich: Die erste professionelle Generation historisierend musizierender Künstler hatte sich von den damals üblichen betulich-romantisierenden Ausdrucksmitteln abgewandt und auf der Basis historischer Quellen eine Art "neue Schlichtheit" entwickelt. René Jacobs und seine Musiker fanden auf dieser Basis den Weg zu einer mitreißend dramatischen Ausdrucksweise, die für Musik wie diese unerlässlich ist.
Deshalb sei gewarnt: diese CD steht unter Strom! So vorgetragen ist Monteverdis Expressivität auch heute noch nichts für schwache Gemüter.

Michael Wersin, 01.06.2002



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