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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 6

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Kent Nagano

harmonia mundi HMC 901901
(56 Min., 6/2005) 1 CD

Was Kent Nagano zu so einem aufregenden Bruckner-Dirigenten macht? Vielleicht ist es die Tatsache, dass sein Musikverständnis ohne rechten Winkel auskommt. Die offene Form ist das Grundmuster seines Denkens. Was Nagano in seiner Amtszeit als Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters an außergewöhnlichen Programmzusammenstellungen wagte, ist fast schon legendär. Wer ganz selbstverständlich historische und ästhetische Extreme zusammendenken kann, wer Musik von Wolfgang Rihm ins Brahms-Requiem implantiert, der findet sich auch leicht zurecht in Anton Bruckners Universum. Nagano gibt nicht vor zu wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, er akzeptiert die Ungeheuerlichkeiten der Bruckner-Partituren, will das Disparate nicht zur Einheit zwingen. Die Sechste - der Komponist selber nannte sie "meine Keckste" - erscheint in dieser Aufnahme darum ganz selbstverständlich als Neue Musik, damals ein Schock, heute ein moderner Klassiker. Naganos sachliches Klangideal tut hier den bewegten Ecksätzen sehr gut, nimmt manchem Ausbruch die apokalyptische Wucht - und bereitet gleichzeitig den Boden für die bewegende Atmosphäre des zentralen Adagios: hier herrscht ein Seelenfrieden, von dem der Komponist zeitlebens nur träumen konnte. Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt herrlich unter seinem scheidenden Chef: leicht, luzide - eben aufgeklärt, im doppelten Wortsinn.

Frederik Hanssen, 21.01.2006



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