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Caspar Kittel

Arien und Kantaten

René Jacobs, Johanna Stojkovic, Bernarda Fink, Gerd Türk, Jeremy Ovenden, Martin Snell u.a.

HMF/Helikon 7 94881 50402 2
(72 Min., 7/1999) 1 CD

Es ist Krieg in Deutschland. Horden marodierender Söldner ziehen durch das Land, metzeln und morden, dreißig lange Jahre. Wir Nachkommen haben uns angewöhnt, diese Zeit zwischen 1618 und 1648 als eine der Finsternis auch in kulturellen Dingen zu betrachten: Ein fahrlässiger Umgang mit unserer Nationalkultur, denn ein Volk der Dichter waren die Deutschen nicht erst seit Goethe. Aber wer liest heutzutage noch Martin Opitz? Vielleicht lohnt es sich ja zuerst, ihn einmal zu hören.
Diese Einspielung mit Arien auf Opitz-Texte vom sächsischen Schütz-Schüler Caspar Kittel (1603-1639) ist indes nicht nur aus literarhistorischen Erwägungen heraus rundherum zu empfehlen. Die gedankliche Virtuosität, Bildkraft und Musikalität dieser Gedichte wird von Kittel kongenial gespiegelt, es ensteht große Musik: Der Vergleich mit den Goethe-Vertonungen eines Schubert, Schumann oder Wolf ist in dieser Hinsicht nicht zu hoch gegriffen. Der Dirigent René Jacobs und seine Mitstreiter erwecken diese Perlen mit detailgenauer Zuwendung zu klingendem Leben.
Noch ein Hinweis für die zahlreichen Italomanen im Vokalfach: Zumindest an ihrer Wiege ist die deutsche Hochsprache sehr wohl des Gesanges mächtig gewesen, wie dem Hörer hier eindrucksvoll bewiesen wird. Eine faszinierende (und längst überfällige) Ehrenrettung für einen großen Vergessenen des deutschen Frühbarocks.

Stefan Heßbrüggen, 01.04.2000



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