Responsive image
Orlando di Lasso, Giacomo Gorzanis, Masi Capolongo u.a.

Delizie Napolitane: Old Neapolitan Love Songs

Ensemble Daedalus, Roberto Festa

Accent/ACC 23159
(59 Min., 7/2003, 2/2005) 1 CD

Aus Neapel kommen die originellsten Liebeslieder. Hier sind es unter anderem Liebeserklärungen an ein schüchtern beobachtetes Bauernmädchen, an ein Großmütterchen (damit es ein gutes Wort bei der Enkelin einlege), an eine untreue Katze und an eine spröde Schöne, an deren Füßen der Sänger als Pantoffel hängen möchte. So frisch, eigenwillig und doch merkwürdig direkt aufs Herze zielend wie die poetische Sprache, so charakteristisch kommt auch die Musik daher: In den hier verwendeten Arrangements des 16. Jahrhunderts werden die eingängigen, sanften Melodien mit schon ihrerzeit archaisch wirkenden Harmonien und feinen Dissonanzkitzeln aufgeraut. Die Alte-Musik-Spezialisten vom Ensemble Daedalus (unter ihnen der Countertenor Pasacal Bertin) haben für ihre Interpretation glücklicherweise nicht nur in alte Traktate geschaut, sondern auch den neapolitanischen Volkssänger Luciano Catapano mit ins Boot geholt. Der verleiht vielen Gesängen mit seinem nachlässig weichen neapolitanischen Dialekt sowie mit seinem atmosphärisch sprechenden Gitarrenspiel eine zusätzliche Authentizität, die man nicht aus Büchern lernen kann. Zu allem Überfluss beherrscht er auch noch eine spezielle Kunst feinster Verzierungen, die unter den besseren Volkssängern Italiens noch lebendig ist. Die winzigen Tonschritte, die sich kaum mit westlichen Notationstechniken festhalten lassen, verraten deutlich die Nähe der Hafenstadt Neapel zum arabischen Raum. Ein Genuss, der zugleich die Ohren dafür öffnet, was es in der Alten Musik noch an spannenden lokalen Dialekten zu entdecken gibt.

Carsten Niemann, 25.02.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Optimismus versprühen in der Krise, das hat sich die 24-jährige deutsch-griechische Pianistin Kiveli Dörken auf die Fahnen geschrieben – ob beim Molyvos International Music Festival auf der Insel Lesbos, das sie gemeinsam mit ihrer Schwester Danae gegründet hat, mit dem „Lockdown-Diaries“ betitelten Video-Blog oder ihrer jüngst erschienenen Debüt-CD. Auf der widmet sich die Pianistin ganz dem tschechischen Komponisten Josef Suk. Zunächst mit dessen Klavierquintett in g-Moll op. 8, […] mehr »


Top