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Cecilia Bartoli - Live In Italy

Cecilia Bartoli, Jean-Yves Thibaudet

Decca/Universal 455 981-2
(76 Min., 6/1998) 1 CD

Trotz ihres noch jugendlichen Alters zählt Cecilia Bartoli fraglos zu den renommiertesten Sängerinnen. Ihre stupende Virtuosität, ihr Temperament und ihre unleugbare Musikalität lassen ihre Auftritte zu “Events” werden. Davon zeugt der Konzertmitschnitt aus dem “Teatro Olimpico” Vicenza, einem Juwel der Renaissance, das in seinen Grundzügen noch die Handschrift Andrea Palladios verrät. In einer tour d’horizon durch fünf Jahrhunderte, von Giulio Caccini über Gioachino Rossini bis Xavier Montsalvatge, vermittelt die Bartoli einen aufschlussreichen Eindruck von ihrer eigenen Gesangskunst wie von der Welt des Belcanto.
Während sie in Caccinis Kanzone “Amarilli” etwa durch ihre Expressivität, durch ihre klanglichen wie dynamischen Schattierungen fasziniert, ja berührt, zieht sie in der Arie “Agitata da due venti” aus Antonio Vivaldis Oper “Griselda” alle Register ihrer Gesangstechnik, frappiert durch flirrende Tonrepetitionen, atemberaubende Koloraturen und exorbitante Sprünge. Da sie ihren internationalen Durchbruch vor allem in den Opern Rossinis erzielt hat, darf er auch in diesem Recital nicht fehlen; so findet sich hier die virtuose Schlussarie der Zelmira aus Rossinis gleichnamiger Oper, die mit einem dreigestrichenen Es schließt - eine geradezu unglaubliche Höhe für einen Mezzo. Bei aller Bewunderung bleibt vielleicht anzumerken, dass gelegentliche Tendenzen zu einer gewissen Manieriertheit, etwa im “Figaro”, nicht zu überhören sind; es bleibt zu hoffen, dass ein kritisches Bewusstsein Cecilia Bartoli hier Einhalt gebietet.

Norbert Christen, 30.06.1998



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