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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Diverse

Rafael Kubelik - Music Is My Country

Reiner Moritz

Arthaus/Naxos 100 723
(125 Min.)

Sich von einem Menschen ein Bild zu machen gehört vielleicht zu den schwierigsten Aufgaben, die einem im Leben begegnen. Der erste Eindruck erweist sich oft als entscheidend, doch so Vieles und Unbekanntes steckt immer in einem Gegenüber. Von einem Menschen, dem man selbst nie begegnet ist, ist dies nahezu unmöglich. Und doch versuchen sich immer wieder Autoren an Porträts und Biografien bedeutender Persönlichkeiten.
Der große Vorteil bei dem Unterfangen, einen Musiker kennen zu lernen, ist evident: Er spricht durch seine Kunst zu uns, und dies ganz unmittelbar. Wenn es gefunkt hat, oder, wie Schiller es ausdrückte, dieselbe Taste der Empfindung gedrückt wurde, ist das Wichtigste erreicht: Es entsteht ein Interesse.
Einem Menschen, der so viel erlebt und geleistet hat wie Rafael Kubelik, in einem gut zweistündigen Film gerecht zu werden, ist unmöglich. Es fängt natürlich damit an, dass Musik oder Proben nur in Ausschnitten gezeigt werden können. Reiner Moritz ist es aber mit seiner chronologischen Darstellung, mit bewegenden Selbstzeugnissen des Dirigenten, mit der Befragung von Elsie Kubelik, seiner zweiten Frau, des Sohns Martin und künstlerischen Weggefährten wie Daniel Barenboim gelungen, das Wichtigste zu erreichen: Interesse zu wecken. Einmal an dem Menschen Kubelik, der eine sehr humane, bescheidene, großzügige und humorvolle Persönlichkeit gewesen sein muss, wie auch an seiner Musik. Letztere kommt vielleicht in diesem Porträt ein wenig zu kurz, denn wir erfahren wenig mehr, als dass Kubelik eher eine melodiebetonte Auffassung vertrat und geschult durch seine eigne Kompositionstätigkeit gleichzeitig die "Anatomie" eines Werkes erkennen ließ. Kubelik selbst beschrieb seine wichtigste Aufgabe ganz handwerklich: Der Dirigent "muss präzis sein".
Der Gesamteindruck ist jedoch unumschränkt positiv, und wenn uns nach dem Ansehen dieses Films von Kubelik dirigierte Musik im Radio oder auf CD begegnet, werden wir uns an diesen Film erinnern – und mit besonderem Interesse aufhorchen.

Matthias Reisner, 18.06.2005



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