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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 7 (bearbeitet für Kammerensemble von Stein, Eisler, Rankl)

linos ensemble

Capriccio/Delta 10 864
(66 Min., 7/1999) 1 CD

Was bei der Kammer-Version von Gustav Mahlers vierter Sinfonie noch das raffinierte Konstrukt freilegte, erscheint jetzt bei Bruckners Siebenter wie die Röntgenaufnahme der Mona Lisa: So viel (und so wenig) wollte man gar nicht wissen. Das soll keine Kritik sein an dem exzellenten Linos-Ensemble, denn es tritt eher noch souveräner auf als bei Mahler. Aber die Musik, die erotisch-gespannteste, "wagnerischste" des Gottsuchers Bruckner, leiht sich diesem Experiment nur widerstrebend, der Komponist selber hätte wahrscheinlich ausgerufen: Hab' ich mir grad hier mit den Klangfarben solche Müh' geb'n!
Natürlich muss man das im Kontext hören. 1921 war das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks noch nicht ganz da. Schönberg und die Seinen wollten mit dem "Verein für musikalische Privataufführungen" etwas erreichen, was bald Radio und Platte obsolet machten bzw. globalisierten: große Werke der Musik unters Volk zu bringen. Aber gerade Bruckners Siebente zeitigt die aberwitzigst-disparaten Resultate, wenn sie für Klarinette, Horn, zwei Geigen, eine Bratsche, Cello, Bass sowie Klavier und Harmonium bearbeitet auftritt: Der Beginn des Adagios, vibratolos gespielt im "period style" (welchem?), signalisiert ein großes Werk der Kammermusik wie Bruckners Quintett, aber das setzt sich gerade mal fort in der Exposition des ersten Hauptthemas, dann schwankt es zwischen Erregung und Betulichkeit.
Nicht nur im Finale, aber dort besonders, streift das verzweifelte Bemühen von Stein/Eisler/Rankl, den Schönberg-Schülern, die hier instrumentierten bzw. reduzierten, doch oft die unfreiwillige Komik, wenn mal das Klavier, mal das Harmonium ganze Instrumentengruppen vortäuscht (das hat mitunter was von Salonmusik, so Bruckner-fern wie Reynaldo Hahn). Zugegeben, die Aufnahme fasziniert immer mal wieder, und immer mal wieder schlägt man die Hände überm Kopf zusammen. Wer das Stück gut kennt, wird eine exotische Variante entdecken. Mehr ist's nicht, wie gut immer gespielt.

Thomas Rübenacker, 24.01.2002



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