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Diverse

Kammermusik

David Oistrach u.a.

Brilliant Classics/Foreign Music MMK8402
(1947 - 1973) 10 CDs

Aufnahmen von David Oistrach gibt’s wie Sand am Meer – und nun noch 50 dazu. Die reichhaltigen Archive sowjetischer Schallplattenfirmen und Radiosender, denen einmal mehr dieser Zuwachs zu verdanken ist, bieten dabei selten Überraschungen, eher Vervollständigungen. Auch die vorliegende Box kann das überlieferte Bild des großen Geigers Oistrach nicht ändern, sondern nur festigen und allenfalls aufgrund der recht exotischen Werkauswahl (u. a. von Vitali, Medtner, Catoire und Zarzycki) ein wenig weiter differenzieren. Macht aber nichts, denn Oistrach as usual ist eben Geigenspiel im siebten Himmel: zupackend, offen und ehrlich, nicht sensualistisch, sondern bloß sensibel, nicht herrisch, bisweilen aber ausgesprochen herrschaftlich. Anders als sein Meisterschüler Gidon Kremer hat Oistrach, wie man hier ausgiebig überprüfen kann, nie die Grenzen seines Instruments befragt. Sein Spiel ist geradlinig und erschütterungsfrei, er experimentiert nicht, sondern handelt. Und auch wenn ihm im Alter nicht die eiserne Konstitution seines Kollegen Milstein vergönnt war, so ist auch der späte Oistrach, wie etwa die Beethovensonate Nr. 6 mit Swjatoslaw Richter von 1967 bezeugt, ein großartiger Interpret mit wachem Geist und einer beachtlichen Physis. Fabelhaft, wie er, der sich um sogenannte "historische Authentizität" nie allzu lang den Kopf zerbrochen hat, kurz vor seinem Tod mit knackigem Staccato und einer freundlichen Hemdsärmeligkeit dem flinken Hammerklavier von Paul Badura-Skoda durch eine Mozartsonate behände und ganz uneitel folgt. Und wie er dagegen, 25 Jahre zuvor, Bachs erste Solosonate in einer wohl nie wieder erreichten Monumentalität so groß, hell und mächtig hat erstrahlen lassen, als spiele er nicht auf einem kleinen Holzkasten, sondern auf einer riesigen Orgel.

Raoul Mörchen, 28.04.2007



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