Das ist wieder so ein Trick. Das unwiderstehliche 50er-Jahre-Design, die Hochglanzpappe! Und wenn wir mit dem Finger über die CD streichen, die genau wie die Original-LP im Miniformat aussieht, dann spüren wir tatsächlich Rillen! Her damit! Und hineingetaucht in eine Zeit, als man Operette vermutlich noch hören konnte, ohne gleich als spießig oder hoffnungslos verkitscht gebrandmarkt zu werden.
Peter Anders singt diese Lieder frisch und frei und ohne falsches Sentiment, egal, ob er Rita Streich ins Chambre Separée entführt, mit Trude Eipperle rätselt, wer beiden die Liebe ins Herz gesenkt hat oder Anny Schlemm versichert, keine so wie sie zu lieben. Das ist Wirtschaftswunder-Operette, gesungen von einem der vielversprechendsten deutschen Tenöre seiner Zeit.
Vor 50 Jahren starb Anders bei einem Auto-Unfall. Vergessen ist er nicht. Doch auch nicht so präsent, wie ihm das zustünde. Im schmaler gewordenen kollektiven Operngedächtnis hat nur ein tragisch und zu früh ums Leben gekommener deutscher Tenor Platz: Fritz Wunderlich. Anders als dieser sang Anders ein gewaltiges Repertoire aus deutschen, französischen und italienischen Partien bis zum Otello. Alfredos "Di miei bolenti spiriti" und Canios "Vesti la giubba" zeigen als Bonus-Tracks den "seriösen" Anders, der gerade noch von Granada schwärmte. Auf Deutsch, versteht sich. Und trotzdem: molto passionato.

Jochen Breiholz, 11.12.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Sie stand an der Supermarktkasse, als er fragte. Nein, hier geht es nicht etwa um einen Heiratsantrag, sondern nur um die bescheidene Frage, wie der Trompeter Simon Höfele und die Pianistin Elisabeth Brauß für ihr neues Album zusammenfanden. Die beiden jungen Künstler haben sich in ihrem Bereich jeweils einen Namen gemacht und so wundert es denn auch nicht, dass diese Kollaboration zu einem sehr vielversprechenden Hörergebnis führt. Hatte Höfele mit seinem Vorgängeralbum „Standards“ […] mehr »


Top