"Vorsicht, Kunst" könnte auf dem Cover stehen. Mutig, vielleicht auch leichtsinnig, auf jeden Fall ehrenvoll ist es von der Deutschen Grammophon, in einer Zeit, in der die großen Klassik-Labels meist auf Nummer Sicher gehen und mit ihren Gesangsstars die ewig gleichen Mozart-, Verdi- und Puccini-Programme abspulen oder seichte Crossover-Programme mit Massen-Appeal produzieren, ein so sperriges und bestimmt nicht anbiederndes Album wie dieses herauszubringen.
Die Zusammenstellung kleiner Lied-Zyklen, mit denen sich Magdalena Kožená, DGs tschechischer Star-Mezzo, hier auseinandersetzt, ist eigenwillig, ausgesprochen kontrastreich und - zumindest bei Ravels "Chansons madécasses" und Schostakowitschs "Satiren" - aufmerksamkeitsbedürftig. Kein Album, das man mal eben so nebenbei hört. Auch wenn Ottorino Respighis "Il tramonto", Erwin Schulhoffs farbenreiche "Stimmungsbilder" und Brittens "Charm of Lullabies" sich schneller, leichter ans Ohr schmiegen. Kožená trifft den richtigen Ton für jedes Lied, ungeschnörkelt, klar und schlicht. Mut zahlt sich aus.

Jochen Breiholz, 03.07.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top