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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Leonel Power, Ivan Moody, Gavin Bryars u.a.

Soir, dit-elle

Trio Mediaeval

ECM/Universal 476 124-2
(62 Min., 4/2003) 1 CD

Ewigkeit ist gewiss nicht das unwahrscheinlichste Ziel geistlicher Musik. Klang, der über die Zeitläufte hinaustönt, ohne Anfang und Ende, als Strom, der immer weiter fließt: Es hat eigene Konsequenz, dass neuestes Komponieren sich gelegentlich ganz weit nach rückwärts wendet. György Ligeti oder Isabel Mundry versenkten sich in das Werk Guillaume Dufays und der Niederländischen Schule; Arvo Pärt, Giya Kancheli oder Henryk Gorecki entliehen der Musik des Mittelalters Schwermut und jene Form der Demut, die aus tiefem Glauben entsteht. Sakrale Musikformen verfehlten ihre Wirkung auch auf Atheisten nicht, stellte der englische Komponist Gavin Bryars gelegentlich fest - und 1998 sein "Cadman Requiem" zur Disposition: Die Klage auf den Tod seines Toningenieurs, der beim Lockerbie-Attentat starb.
Prinzipiell zeitlos, traurig und fromm ist die Musik des Albums "Soir, dit-elle". Wie selbstverständlich überspannt sie ein halbes Jahrtausend. Die Sätze der Messe "Alma redemptoris mater" von Leonel Power aus dem England des frühen fünfzehnten Jahrhunderts sind gegen archaisierende sakrale Lobgesänge gesetzt, die Gavin Bryars in den Jahren 2002/03 schrieb; der spirituelle Entwurf wird zusätzlich geweitet durch Stücke von Andrew Smith, Ivan Moody und des ukrainischen Komponisten Oleh Harkavyy - allesamt Widmungskompositionen für das skandinavische Trio Mediaeval. Indes reicht der musikalische Erkenntniswert dieser Aufnahme nicht über den Umstand hinaus, der auch schon das Debüt des Ensembles, "Words of the Angel" (2001), bestimmte: drei junge Frauen singen Musiken, deren Vorlagen ursprünglich für Männer in Kirche und Kloster geschrieben waren. Die Pracht der Klangkathedralen, die aus ihren klaren, linear geführten Stimmen entstehen, ist monochrom und kalt. Sie ruht ganz im Glauben an sich selbst.

Andreas Obst, 13.03.2004



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