Responsive image
Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 6

NDR Sinfonieorchester, Günter Wand

RCA/BMG 09026 68452 2
(55 Min.) 1 CD

Die Sechste ist das Stiefkind der „Bruckner-Gemeinde“, völlig zu Unrecht: Ihr geradezu kammermusikalischer Ansatz scheint sie zwischen die monumentale Fünfte und die (für Bruckner!) hocherotische Siebente zu quetschen wie ein minder wichtiges Intermezzo. Natürlich ist sie alles andere für Günter Wand, der sie in Köln bereits vorzüglich eingespielt hat. Die beiden Aufnahmen unterscheidet zuerst einmal die überlegene Klangqualität der neuen, auch die souveränere Orchesterleistung, wie immer „live“, und dazu noch so manches feine Detail: der Beleuchtung, der Phrasenveredlung (aber auch der Aufrauung, wo geboten), der Tempomodifikation. Geblieben sind die Qualitäten, die schon die ältere Aufnahme herausragen ließen: die zügige, nie sentimental auf „schönen Stellen“ sich ausruhende Entwicklungsarbeit, die kluge Einflechtung von Nebenstimmen (nie zuviel, nie zuwenig), das Gespür für die so andersgeartete Architektonik. Denn entgegen dem alten Fixbild hat Bruckner in seiner angeblich heiklen Sechsten eben auch mal keine „sinfonische Kathedrale“ errichten wollen.

Thomas Rübenacker, 31.05.1996



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top