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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Diverse

Konzerte, Kammermusik, Sololiteratur

Leonid Kogan

Brilliant Classics 93030
(1947 - 1981) 10 CDs

Was für ein Geiger ist da verloren gegangen, ohne dass es jemals wirklich aufgefallen wäre. Im Schatten David Oistrachs hat der 1982 im Alter von nur 58 Jahren verstorbene Russe Leonid Kogan nur selten die Aufmerksamkeit bekommen, die ihm eigentlich gebührte. Dabei hat Kogan im großen Chor der Geiger von Weltklasse in der Nachkriegszeit eine sehr charakteristische Stimme entwickeln können. Wie alles von Belang, ist auch diese Stimme in ihrem Innern vielstimmig: Da gibt es ein fantastisches Gespür für den Aufbau weitspannender Architektur und gleichzeitig eine enorme Reaktionsbereitschaft im Detail, einen Vorwärtsdrang von bisweilen schier unglaublicher Dynamik, doch unter wacher Kontrolle, die mögliche Nervosität oder gar Aktionismus von vornherein unterbindet. Auch Kogans Ton ist vielschichtig, kräftig, voluminös und strahlend (früher sagte man: männlich), das Vibrato beherrscht, die Konturen ausnehmend deutlich, doch ohne bissige Schärfe. Gerade die frühen Aufnahmen vom Beginn der 50er Jahre, als Kogan mit kriegsbedingter Verzögerung seine Karriere erst richtig starten konnte, sind phänomenal: Sein Spiel ist in dieser Glanzzeit pure Euphorie. Damit reißt er hier so manches verschnarchte Sowjetorchester mit, übernimmt dann irgendwann statt des Dirigenten selbst die Führung oder lässt, falls Hopfen und Malz gänzlich verloren sind, fußlahme Truppen einfach lächelnd hinter sich. Die im Repertoire bunt-gemischte Kompilation von Brilliant Classics, überwiegend Live-Aufnahmen von zuweilen schauriger Tonqualität, zeigt Kogan als Meister aller Klassen: Er veredelt den Salon und das große Konzert gleichermaßen, fühlt sich allerdings dort am wohlsten, wo die Musik seinem Temperament gewachsen ist – weniger bei Mozart also als bei Vieuxtemps, Paganini, Sarasate, mit kleinen Abstrichen auch bei Beethoven und zweifellos bei Tschaikowsky. Dessen D-Dur-Konzert in einer Aufnahme von 1950 ist ein absoluter Höhepunkt dieser um große wie kleine Sensationen wahrlich nicht verlegenen Box.

Raoul Mörchen, 26.01.2007



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