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Aaron Copland, Vincent d' Indy, Johann Strauß, Hilding Rosenberg, Leonard Bernstein, Arthur Honegger u.a.

Railroad Rhythms - Im Rhythmus der Eisenbahn

SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern, Jiří Stárek

hänssler classic, CD 93.187
(62 Min., 10/2005 - 12/2005, 2/2006) 1 CD

Antonín Dvořák und Arthur Honegger waren Pufferküsser. So jedenfalls nennen Eisenbahnfreaks die ganz Hartgesottenen in ihren Reihen. Aber auch wer einfach nur Spaß an originellen Klassikprogrammen hat, könnte an diesem unterhaltsamen Album Gefallen finden. In jedem Fall ist Jiří Stárek und dem SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern eine vielfältige Auswahl gelungen zum Thema "Die Eisenbahn in der klassischen Musik": Rasant rattern die Lokomotiven durch eine Polka von Johann Strauß Sohn, träumerisch schaukeln die Waggons durch eine Orchesterballade von Aaron Copland, und in der "Eisenbahnfuge" von Hilding Rosenberg bahnen sich die Züge gar den Weg durch ein mehrgleisiges Schienengewirr. Stárek, dessen Großvater selbst Eisenbahner war, dirigiert das Ganze mit Spaß und technischer Präzision; vor allem aber hat er Sinn für die vielfältigen, oft modellbauerisch genauen Nuancen, mit denen die komponierenden Eisenbahnfreaks das Rattern, Pfeifen, Tuten, Schnaufen und Rumpeln der Lokomotiven und Waggons nachgeahmt haben. Allerdings wären eine etwas aufwändigere Aufmachung des Booklets (vielleicht mit Fotos von Eisenbahnen) sowie ein paar ausführlichere Informationen zu den Stücken wünschenswert gewesen: Schließlich bietet ein Album wie dieses, als Geschenk eingesetzt, die seltene Möglichkeit für Klassikfans, technikfixierte Freunde oder Partner zur eigenen Musik zur verführen. Warum also nicht die Eisenbahnleidenschaft des Romantikers Antonín Dvořák mit ein paar knackigen Zitaten belegen? Aber auch die Tatsache, dass der Titel "Pacific 231", den Arthur Honegger über seinen raffiniert mit der Eisenbahnmotivik spielenden Sinfoniesatz setzte, zugleich der Name einer legendären Güterzuglokomotive ist, wäre einer Fußnote wert gewesen. Schließlich ist auch nicht jeder Klassikfan ein Pufferküsser.

Carsten Niemann, 27.10.2006



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