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Joseph Martin Kraus

Das Klavierwerk

Jacques Després

Naxos 8.55 5771
(79 Min., 10/2000)

Den Titel "Complete Piano Music" nimmt diese CD mit Werken von Joseph Martin Kraus (1756-1792) ernst: Sogar ein Fragment von 42 Sekunden Dauer wird berücksichtigt. Eine philologische Pingeligkeit, die schon darauf hindeutet, dass die vorliegende Einspielung hauptsächlich Kenner und Liebhaber der Klaviermusik des 18. Jahrhunderts interessieren dürfte. Die bekommen vom kompetenten Booklet-Text des Kraus-Forschers Bertil van Boer hilfreiche Hintergrundinformationen zum Verständnis geliefert. So spiegeln die "Schwedischen Tänze" und die "Zwei neuen kuriosen Minuetten" Kraus’ Auseinandersetzung mit zwei Themen seiner Zeit - der "Nationalmusik" und der "Alten Musik" - und deren Verfechtern: dem späteren Bach-Biografen Forkel, den er aus Göttinger Studientagen kannte, und dem Abbé Johann Georg Vogler, Kraus’ Konkurrenten am Hof Gustav III.
Durch seine Sinfonien (vor allem durch die Pioniertaten des Concerto Köln) wurde der "schwedische Mozart" jüngst wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Die sieben überlieferten Stücke seines ohnehin wenig umfänglichen Klavierwerks können mit diesen Werken kaum mithalten. Allenfalls die 1788 entstandene E-Dur-Sonate ist von Interesse. Dem bei Repertoire-Entdeckungen aus dieser Epoche obligatorischen Spielchen "Beethoven-Vorwegnahmen-Finden" bietet sie durchaus Nahrung. Vielleicht könnten ein wenig delikater abgeschmeckte Interpretationen uns auch Stücke wie das "Scherzo con Variationi" oder das an C.P.E. Bach erinnernde Rondo schmackhaft machen. Aber der kanadische Pianist Jacques Després ist leider ein arger Langweiler. Man könnte das dröge, biedere Spiel des Klavierprofessors der Universität von Alberta "professoral" nennen, wäre es nicht in manchen virtuoseren Passagen auch noch unsauber.

Christian Möller, 01.11.2003



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