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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Erich Wolfgang Korngold, Wilhelm Grosz, Viktor Ullmann, Kurt Weill

Verbotene Lieder

Christiane Oelze, Eric Schneider

Capriccio/Delta Music
(69 Min., 4/2005) 1 CD

Christiane Oelzes Sopranstimme, das ist die gute Nachricht, funktioniert offenbar wieder besser als in den vergangenen Jahren: Übermäßiges Vibrato und Ungeschmeidigkeiten, die auf einigen früheren CDs zu hören waren, sind in der vorliegenden Neuveröffentlichung sehr reduziert. Oelze hat offenbar ihren alten "laid-back"-Duktus wiedergefunden, jene leicht laszive Freude an der mühelosen Tonproduktion, die ihrem Gesang in guten Zeiten schon immer einen charmanten, ja leicht erotischen Reiz verlieh. Was dabei ein wenig auf der Strecke bleibt, ist allerdings der Text: Allzu engagierte Artikulation und allzu prägnante Formung der verschiedenen Vokalen besonders in der höheren Lage stören natürlich leicht das Legato-Wohlbefinden, und daher vermittelt Oelze über weite Strecke eher den grundsätzlichen Affekt als das Detail, weshalb man beim Hören dieser CD niemals ohne die im Beiheft abgedruckten Texte auskommt. Das schlägt nicht nur bei den drei Liedern Kurt Weills negativ zu Buche, wo man etwas mehr Diseusen-Attitüde erwartet; besonders auch die Morgenstern-Lieder von Wilhelm Grosz verlangen doch nach einem deutlich höheren Maß an sprachlicher Unmittelbarkeit.
Von großem Interesse für jeden Liedbegeisterten ist das eingespielte Repertoire, mit dem das Label Capriccio sein Engagement für verbotene Musik fortsetzt: An der Seite von Ullmann und Korngold, deren Popularität und Präsenz sich in den letzten Jahre durch das Bemühen zahlreicher hervorragender Interpreten stark erweitert hat, betritt hier Wilhelm Grosz (1894 - 1939) das Podium, ein in Wien geborener, von Franz Schreker ausgebildeter jüdischer Komponist, der Mitte der 30er Jahre über England nach Amerika emigrierte und dort leider starb, bevor ein vielversprechender Start im Filmmusik-Geschäft wirklich Früchte bringen konnte. Ein klangvoller, vielschichtiger Klaviersatz mit sinfonischen Effekten auf der Basis differenzierter Alterationsharmonik zeichnet seine überaus attraktiven Lieder aus - ihre Wiederentdeckung erweitert einmal mehr den Blick auf das faszinierende Spektrum des Kunstlied-Schaffens der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

Michael Wersin, 01.04.2006



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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