Responsive image
Claude Le Jeune

Chansons

Ensemble Clément-Janequin, Dominique Visse

harmonia mundi HMC 901863
(67 Min., 6/2004) 1 CD

"Wie kein anderer französischer Komponist hat Claude Le Jeune im Mittelpunkt der musikästhetischen Debatten seiner Zeit gestanden", erklärt uns der Wissenschaftler Jean-Yves Haymoz im informativen Beihefttext. Aber Theorie ist nicht alles: Le Jeune (c.1530 - 1600) wurde bei den Zeitgenossen beliebt, weil er seine Ideen in stilbildenden Kompositionen mustergültig umzusetzen verstand. Wie das ging, sei nicht schwer zu begreifen, ermuntert Hayoz den neugierigen Leser - im Grunde genüge es schon, "beim Hören der Musik genau den Text zu verfolgen." Schade nur, dass es sich bei besagtem Text um herzhaftes Altfranzösisch handelt: wunderschön historisch mit all seinen saftigen Vokalverbindungen und farbigen Konsonanten deklamiert, aber leider noch nicht einmal mit einer englischen Übersetzung versehen. Dies ist allerdings der einzige Wermutstropfen in einer Produktion, der es erstmals gelingt, ein ebenso gestochen scharfes wie farbiges Porträt des Renaissancemenschen Claude Le Jeune zu zeichnen. Seine Experimente mit merkwürdig chromatischen, antikisierenden Tonleitern und die Versuche, nach altgriechischer Art mit peinlich genau abgezählten Längen und Kürzen zu deklamieren, verbinden sich ganz natürlich mit dem bodenständigen bis frechen Chansonton. Das Ensemble Jannequin selbst wirkt klanglich homogener denn je, obwohl es durchaus sehr unterschiedliche Stimmfärbungen verbindet. Der Countertenor von Ensembleleiter Dominique Visse fällt als Energiequelle auf, aber nicht heraus und verbindet sich verblüffend mit dem edelzarten Timbre der Sopranistin Agnès Mellon. Die erlebt zurzeit übrigens ein verdientes Comeback. Dass auch Claude Le Jeune wieder verstärkt ins Gespräch kommt, sollte nach dieser CD erst recht sicher sein.

Carsten Niemann, 08.10.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top