Erneut hat López Banzo ein Werk des iberischen Barock ausgegraben, zum Teil rekonstruiert und mit seinem Ensemble Al Ayre Español eingespielt. Zwei Hauptwerke des mutmaßlichen Komponisten der vorliegenden Zarzuela, des Mallorquiners Antonio de Literes (1673-1747), die Zarzuela „Acis y Galatea“ und die Oper „Los Elementos“, wurden von diesen Musikern bereits eingespielt.
Die Handlung von „Júpiter y Semele“ basiert auf einem mythologischen Stoff aus Ovids Metamorphosen. Motor ist die Eifersucht der Juno, die sich verwandelt um falsche Ratschläge zu geben. Das Werk endet für Semele tödlich, denn sie verbrennt an den Blitzen, die ihren Geliebten Júpiter umgeben.
Das 1718 uraufgeführte Werk ist eine frühe Zarzuela, die leichte Gattung des iberischen Musiktheaters. Die Zarzuela ist beeinflusst vom spanischen Sprechtheater und der italienischen Oper, mit gesprochenen Zwischentexten und volkstümlichen Tonfällen.
Der Mitschnitt einer Aufführung auf Mallorca zeichnet sich aus durch ein lebendiges Musizieren der in diesem Repertoire erfahrenen Sänger, z. T. auch Sprecher und Instrumentalisten. Die Interpretation ist eher auf Bühnenwirksamkeit ausgerichtet; Publikumsreaktionen und Bühnengeräusche sind zu hören, kleinere Patzer und Intonationsschwächen sind zu vermelden. Das Stück ist formal und musikalisch abwechslungsreich gestaltet, mit chorischen Cuadros, Arien, Dialogpassagen, aber auch Rezitativen und musikalischen Illustrationen. Die Partie der Protagonistin Semele ist eine reine Sprechrolle. Wer des Spanischen mächtig ist, wird an den zahlreichen, lebendig dargeboten Dialogen, darunter zwei mit einem Satyr, seine Freude haben; man kann die Handlung aber mit Hilfe des viersprachigen Booklets auch gut verfolgen.
Der Live-Mitschnitt ist ein reizvolles Dokument einer außerhalb des spanischen Sprachraums wenig bekannten Gattung.

Peter Overbeck, 13.09.2003



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