Liebe lenkt von Vaterlandspflichten ab - glauben die Brüder Stefan und Zbigniew. Sie schwören, Junggesellen zu bleiben. Und brechen ihren Schwur nach einer Nacht in einem vermeintlichen Gespensterschloss, in dem sich die heiratswilligen Töchter des Besitzers herumtreiben. Lieto fine.
Stanisław Moniuszkos patriotische Komödie "Straszny dwór" besitzt in Polen den Status einer Nationaloper. Dass die russische Zensurbehörde das 1865 uraufgeführte Werk nach der dritten Vorstellung verbieten ließ, mag daran nicht ganz unschuldig sein: "Straszny dwór" wurde zu einem Symbol des Kampfes für Unabhängigkeit und Freiheit.
Die Musik erinnert bisweilen an Weber. Moniuszko setzt Polonaisen, Mazurken und Krakowiaks ein, ohne dabei zu sehr auf die folkloristische Karte zu setzen. Unter Jacek Kaspszyk musiziert das Orchester sensibel, und das Ensemble, darunter Stefania Toczyska als kupplerische Truchsessin, zeigt sich fast ausnahmslos von seiner Schokoladenseite.
Eine Peinlichkeit ist nur die vor Fehlern, vor ungelenken und falschen Formulierungen strotzende deutsche Übersetzung des Booklet-Textes von John Allison: Offensichtlich ist keiner bei der EMI der deutschen Sprache mächtig. Noch nie was von Korrekturlesen gehört?

Jochen Breiholz, 21.08.2004



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