Responsive image
Franz Hummel

An der schönen blauen Donau

Gabriele Schmid, Josef Oberauer u.a., Georgisches Kammerorchester, Alexei Kornienko

Arte Nova/BMG 74321 38023 2
(66 Min.) 1 CD

Der Titel führt bewusst in die Irre. Es geht hier nicht um Walzerseligkeit im Straußschen Sinne, vielmehr liegt der Kammeroper eine wahre Begebenheit von 1928 zugrunde. Die Regensburger Lehrerin Elli Maldaque wurde wegen ihrer Sympathie für die Kommunisten aus dem Staatsdienst entlassen und in eine Irrenanstalt eingewiesen, wo sie wenig später starb. Der Fall machte seinerzeit Schlagzeilen und fand seinen Niederschlag in einem szenischen Fragment von Ödön von Horváth, das die Grundlage für das Libretto von Elisabeth Gutjahr bildet. Zehn Szenen dokumentieren den Niedergang der Lehrerin zwischen katholischem Elternhaus, kommunistischer Freundin, Geliebtem und Staatsgewalt. Die Ort der Handlung, ein Flugzeug, ist ebenso skurril wie die Besetzung der Fischmaulmeierin, der Stiefmutter Ellis, mit einem Bass.
Der Komponist Franz Hummel, Jahrgang 1939, zeichnet das tragische Geschehen mit einer ausdrucksstarken Musik nach. Das Stilspektrum dieser Kammeroper reicht neben textbezogenen, aber freien Abschnitten von angedeuteten Rezitativen über eine Liebesarie (eindrucksvoll der Tenor Joseph Oberauer) bis zu einem angedeuteten Walzer über das trübe Donauwasser. Die Vokalsolisten überzeugen darstellerisch und stimmlich, mit einigen Abstrichen bei Gabriele Schmid. Alexei Kornienko entlockt dem zupackend musizierenden Georgischen Kammerorchester, einem reinen Streichorchester mit Cembalo, eine erstaunlich große Bandbreite klanglicher und dynamischer Nuancierungen.

Peter Overbeck, 30.04.1996



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


Top