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Alexander Mossolow

Klaviersonaten Nr. 2 und Nr. 5, Zwei Nocturnes op. 15

Herbert Henck

ECM New Series 1569
(51 Min.) 1 CD

Mit siebzehn drückt er dreimal Lenin einen Brief in die Hand. Mit zwanzig arbeitet er als Stummfilmpianist und beginnt zu komponieren. Jetzt werden zwei Sonaten und zwei Nocturnes des Russen Alexander Mossolow dem deutschen Publikum zugänglich gemacht, in einer Einspielung Herbert Hencks. Er ist ein sehr beredter Anwalt dieser Musik, scharfsinnig und klanggewaltig. Wenn der Ausdruck sich ungestüm Bahn bricht, im „Allegro tumultuoso, infernale" der vierten Sonate, türmt er mit sicherer Hand die Klanggebirge aufeinander. Im „Elegiaco", also „elegisch-traurig", überschriebenen Nocturne hingegen kühlt er die Akkorde ab, bis sich die Form wie von selbst auskristallisiert.
Mossolows Stil erweist sich als höchst zerbrechliche, aber traumwandlerische Wanderung an den Rändern der klassisch-romantischen Tonsprache, der Tonalität. Aber diese Dissonanzen reden unmittelbar zur Seele des Zuhörers, radikaler als Prokofiews Neoklassizismus, hoffnungsloser als manches Spätwerk Skrjabins. Eine Entdeckung, der ich weite Verbreitung wünsche.

Stefan Heßbrüggen, 31.03.1996



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