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Gottfried August Homilius

Motetten

Kammerchor Stuttgart, Frieder Bernius

Carus Car 83.210/Note 1
(59 Min., 2/2004) 1 CD

Manchmal fehlt einfach nur das erlösende Wort. Bei Gottfried August Homilius (1714 - 1785) ist es wohl der Satz "bedeutendster Motettenkomponist zwischen Bach und Mendelssohn Bartholdy". Jetzt fehlte eigentlich nur noch eine kongeniale Aufnahme um dem Komponisten, dem als Bach-Schüler immer der Geruch des Epigonen anhaftete, endlich auch beim breiten Publikum zu dem ihm gebührenden Ansehen zu verhelfen. Diese Aufnahme haben Bernius und der Kammerchor Stuttgart nun vorgelegt. Sie liefert fast ausschließlich Ersteinspielungen von Homilius' Motetten und öffnet den Blick auf die geistig frische, optimistische und zugleich empfindsam-fromme Welt des bürgerlichen späten 18. Jahrhunderts. Der Kammerchor singt in innerlich bewegtem, aber nie zu schnellem Tempo. Die zauberhafte Balance der Stimmen sorgt für einen runden und klaren Gesamtklang; trotz der vorherrschenden Orientierung auf die Oberstimmen wirken diese nie losgelöst dominierend, sondern erscheinen als Spitzen einer Harmonie, die in einem eleganten und unaufdringlichen Bass ihr Fundament besitzt. Bewundernswert ist die Vielfalt der Texturen innerhalb des äußerlich zunächst einmal recht einheitlichen stilistischen Erscheinungsbilds: Sie variieren zwischen doppelchörigen Modellen und edel-einfältiger Vierstimmigkeit, umfassen quasi dramatische dialogische Wechselreden ebenso wie das gemeinsame Glaubensbekenntnis. Großartig auch die Delikatesse, mit der Bernius die aufregenden, aber feinen harmonischen Irritationen in dem von optimistisch-reinem Dur geprägten Zusammenhang inszeniert: Hier ist er wieder ganz auf der Höhe seiner Aufsehen erregenden Einspielungen der Messen Zelenkas angelangt. Der war übrigens auch ein Dresdner im Schatten Bachs.

Carsten Niemann, 12.03.2005



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