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Alban Berg, Igor Strawinski

Violinkonzerte

Kolja Blacher, Mahler Chamber Orchestra, Claudio Abbado

DG/Universal 476 3069
(47 Min., 10/2003) 1 CD

Die enorme ästhetische Spannweite der Avantgarde vor dem Zweiten Weltkrieg lässt sich kaum besser, jedenfalls nicht konziser veranschaulichen, als durch die Gegenüberstellung der beinahe zeitgleich entstandenen Violinkonzerte von Alban Berg und Igor Strawinski. Hier satztechnisch extrem hoch entwickelte, ausdrucksschwere Spätromantik, dort die Idee einer in ihrer Objektivität fast statischen Musik im historisierenden Gewand des Neoklassizismus. Die vorliegende Veröffentlichung eines Livemitschnitts beider Werke beim Festival "Ferrara Musica" ist dramaturgisch allerdings sinnfälliger als sie es interpretatorisch ist. Denn die jeweils individuelle Zuspitzung, derer beide Konzerte gerade in ihrer Konfrontation bedürfen, leistet Solist Kolja Blacher nur bedingt. Technisch makellos, verleiht er Strawinskis neubarockem Vierteiler noch die markantesten Konturen: trocken im Tonfall, bissig, und dabei im guten Zusammenspiel mit dem von Abbado sehr durchsichtig gestaffelten Mahler Chamber Orchestra. Blachers Vortrag neigt bei Berg jedoch zu einer wenig vorteilhaften Blässe: schon die berühmte Eingangssequenz klingt eher beiläufig denn zwingend, etliche der peniblen Artikulationsvorschriften Bergs werden nivelliert, ihr Effekt entschärft, Differenzierungsmöglichkeiten werden nicht nachhaltig genug genutzt. Abbado und sein Orchester setzen mehr aufs Spiel, doch am Ende reicht es trotz alledem nur für ein "befriedigend".

Raoul Mörchen, 18.02.2006



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