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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Alban Berg, Anton Webern

Frühe Kammermusik

Thomas Kakuska, Stefan Litwin, Arditti Quartet

Naïve/helikon harmonia mundi MO 782069
(40 Min., 1/1994, 7/1994) 1 CD

Wenn aus dem schmalen und übersichtlichen Œuvre von Alban Berg etwas auftaucht, was man noch gar nicht kennt, wundert man sich und ist entsprechend neugierig. Aha, Stücke aus der Zeit vor dem Opus 1, aus der Lehrzeit bei Schönberg. Desgleichen die auf dieser CD zahlreicheren Kammermusiken seines Mitschülers Anton Webern. Es sind zum Teil echte Kompositions- und Stilübungen, die das Arditti Quartet auf seiner achten CD mit Musik der Zweiten Wiener Schule präsentiert, und es ist ungeheuer spannend, diesen Blick in die Werkstatt von Lehrer und Schülern werfen zu dürfen.
Das voll auskomponierte - wenn auch nur zwölfminütige - Quintett für Streicher und Klavier von Webern von 1907 (M. 118) zeigt bei meisterhaft beherrschter Sonatenhauptsatzform in seiner Tonsprache einerseits eine spätromantische, von Reizdissonanzen getragene Überhöhung des Dur-Moll-tonalen Systems ins Eklektische, andererseits eine expressive Schönheit und polyphone Durcharbeitung, die Schönberg nicht zuletzt von "Brahms, the Modern" herleitete. Es tauchen aber auch experimentellere Passagen auf, die etwa in der Technik der Streicher deutlich den Einfluss des Lehrers verraten.
Bereits in freier Atonalität komponiert sind die folgenden "Vier Stücke für Geige und Klavier" Opus 7 und die "Drei Stücke für Violoncello und Klavier" Opus 11 (also bereits in der "Gesellenzeit" entstanden und veröffentlicht), aber auch die Cellosonate M. 202, Kompositionen, die die für Webern typische, ebenso lapidare wie konzentrierte Kürze bereits voll repräsentieren.
Alban Berg, der in gewisser Hinsicht ebenso konservativere wie populärere Mitschüler, ist mit neun kurzen Stücken für Quartett, Sextett oder Violine und Klavier vertreten, die den (Stil-) Übungscharakter keineswegs verleugnen und doch spannend zu hören sind, da sie nie reine Technik, sondern immer auch künstlerische Studien sind. Da finden sich eine Streichquartettfuge, Variationensätze, Menuette und eine Sarabande.
Beim Arditti Quartet muss kaum noch etwas an Lob und Preis dem allseitig gezollten hinzugefügt werden, und auch die verstärkenden Stefan Litwin und Thomas Kakuska fügen sich wunderbar in Konzept und Klang das weltweit renommiertesten Quartetts im Bereich der Neue(re)n Musik.

Matthias Reisner, 01.11.2003



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