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Carlo Gesualdo, Scipione Lacorcia, Ettorre de la Marra u.a.

Musica Vulcanica

Alexander Weimann, Gesualdo Consort Amsterdam, Harry van der Kamp

Vivarte/Sony BMG 82876 81183-2
(72 Min., 7/2003) 1 CD

Vulkanische Madrigale? Ruhig Blut! Zunächst einmal will das nichts anderes bedeuten, als dass die Stücke dieser CD in und um Neapel gedruckt und komponiert wurden, also im Dunstkreis des Vesuvs entstanden. Aber natürlich spielt der Titel auch auf die aus der durchaus zivilisierten Oberfläche eruptiv ausbrechenden Chromatismen, querständigen Harmonien, leidenschaftlichen Dissonanzen an. Diese tauchten Anfang des 17. Jahrhunderts für kurze Jahrzehnte in der italienischen Vokalmusik auf, um nach ihrem ebenso plötzlichen Verschwinden in dieser konzentrierten Form erst wieder in der Spätromantik angewandt zu werden. Dass man entgegen landläufiger Meinung kein Psychopath sein und - wie etwa der auf dieser CD vertretene Carlo Gesualdo - Frau und Nebenbuhler meucheln muss, um derartige Zusammenklänge zu schreiben, dafür liefert diese Madrigalsammlung ein überzeugendes Beispiel. Der weitgehend unbekannte Scipione Lacorcia (ca. 1590 - 1620), dessen drittes Madrigalbuch hier vollständig eingespielt ist, erweist sich, ohne kriminell auffällig geworden zu sein, als bedeutender Vertreter der Gesualdo-Schule. Kongenial im Vergleich zu den Werken des blutrünstigen Fürsten erscheinen daneben die zum Teil von Lacorcia in sein Madrigalbuch aufgenommenen, weniger düsteren, aber ungeheuer konzentriert gewobenen Stücke von Ettorre de la Marra (ca. 1570 - 1634). Das Gesualdo Consort Amsterdam singt dies alles höchst intonationsrein, mit hellem Timbre sowie lebendiger Phrasierung, was auch den gerne zu verquälten Schreckensvisionen stilisierten Madrigalen von Gesualdo zu Gute kommt: selten jedenfalls bekommt man sein "T’amo mia vita" (Ich liebe dich, mein Leben) so charmant ins Ohr geflötet. Zusätzlicher Bonus für Renaissance-Freaks: Einige Madrigale werden von einem seinerzeit speziell für diese Musik entwickelten Cembalo universale begleitet, das noch die unglaublichsten Harmonien mit reinstem Terzenklang bewältigt.

Carsten Niemann, 26.05.2006



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