Nicht erst Hollywood hat die Vampire zum Thema gemacht. Schon 1828 konkurrierten gleich zwei Vampiropern von Heinrich Marschner und Peter Josef von Lindpaintner, beide heute mehr oder weniger vergessen wie auch ihre Schöpfer.
Die Romantik des sieben Jahre zuvor entstandenen "Freischütz" klingt bei Marschner textlich und musikalisch durch; Wagner hat sich über Marschners Werk euphorisch geäußert und Emmys Ballade vom bleichen Mann erinnert auffällig an die Senta-Ballade im "Fliegenden Holländer". Es schaudert einen heute allerdings nur noch bedingt, wenn der zum Vampir mutierte Lord Ruthven verspricht, binnen vierundzwanzig Stunden drei Bräute zu finden und anschließend zu opfern, was er auch umsetzt.
Musikalisch ist Marschners Oper originell in der Instrumentation, im Einsatz von Erinnerungsmotiven und musikalischen Zitaten. Der erste Akt ist eher konventionell, der zweite dagegen musikalisch und klanglich sehr reizvoll mit einer umfangreichen Ballade der zweiten Braut Emmy, einem großen Monolog des Vampirs und einem mächtigen Finale.
Diese Veröffentlichung setzt eine verdienstvolle Reihe bei Capriccio fort, mit der heute vergessene Opernerfolge des 19. Jahrhunderts wieder belebt werden. Anders als bei den Vorgängern ist hier das Resultat insgesamt jedoch weit unter dem Soll hinsichtlich Präzision, klanglicher Differenzierung und Intonation, besonders beim Orchester.
Beeindruckend sind jedoch Franz Hawlata in der umfangreichen Partie des Vampirs Lord Ruthven mit sonorem Bariton und der Tenor Jonas Kaufmann als sein in Gewissensnöten befindlicher Freund Edgar Aubry, die dritte Braut Malwine, gesungen von Regina Klepper, außerdem der Kölner Rundfunkchor, der teils kommentierend, teils in die Handlung einbezogen, im großen Umfang zum Einsatz kommt.
Wenig überzeugend ist leider das unausgewogene Klangbild. Man bekommt einen Eindruck von der Oper - etwas mehr Sorgfalt, auch bei der Trackmarkierung, hätte dem Werk einen größeren Gefallen getan.

Peter Overbeck, 04.10.2001



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