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Luca Marenzio

Madrigale

Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini

Opus 111/Helikon Harmonia Mundi OP 30245
(74 Min., 2/2000) 1 CD

Gehen Sie Ihnen auch manchmal auf den Geist, all die drallen Putten und geflügelten Amoretten, die unsere europäische Kunst seit der Renaissance heimsuchen? Dann versuchen Sie es doch einmal mit dem Madrigal "Là dove sono i pargoletti Amori" ("Amors Engelchen") von Luca Marenzio: Wenn sich hier die sechs Stimmen in schnellen Verzierungen aufschwingen, bis die Luft von süß flirrendem Klanggewimmel erfüllt ist, dann mache ich schnell meinen Frieden mit der direkten Bildlichkeit der Epoche.
Doch woran liegt das? An der unaufdringlichen Kunst des Norditalieners Luca Marenzio, der unmittelbar vor Monteverdi einige der exquisitesten Madrigalkunstwerke der 1580er bis 1590er Jahre geschaffen hat? Der in unerschöpflicher Fantasie fast jedes Einzelwort ausmalte und dabei doch stets den klaren, aber dabei oft ungewöhnlich raffinierten harmonischen Plan sowie die elegante Führung der Einzelstimmen im Auge behielt? Oder sind es die Sängerinnen und Sänger des Concerto Italiano? Die beherrschen nicht nur wie beiläufig die nonchalant eingestreuten virtuosen Verzierungen, sondern bringen ungewöhnlich viel Sinn für die Poesie mit: von dem mit küssenden Lippen gesungenen "Basciami mille volti" bis hin zu den harschen Konsonaten, die in Marenzios grüblerischeren späten Dante- und Guarini-Vertonungen auftauchen.
Wer die Sprache so zelebriert, wer die Schönheit der in schwingendem Rhythmus pulsierenden Einzelsilben so auskostet, der darf sich auch im Tempo Zeit lassen. Mir ging es jedenfalls ein wenig so wie dem ungeduldigen Thyrsos in "Tirsi morir volea"; einem Dialog, den Concerto Italiano mehr textverkostend als dramatisch angegangen ist: Den genusssüchtigen Schäfer hielt seine Geliebte Nymphe nämlich so lange hin, bis sie gemeinsam eines "so süßen und ersehnten Todes sterben, dass sie, um abermals zu sterben, wieder lebendig wurden."

Carsten Niemann, 15.11.2001



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