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Pehr Henrik Nordgren

Sinfonien Nr. 2 und 4

Finnisches Radio-Sinfonieorchester, Juha Kangas

Finlandia/Warner Classics 0 639842 972024
(55 Min., 10/1999) 1 CD

Die Sinfonien des 1944 geborenen Finnen Pehr Henrik Nordgren haben eine ähnliche Kraft, den Hörer zu erschüttern wie die Musik Dmitri Schostakowitschs. Dass Nordgren verschiedene Kompositionstechniken benutzt, von der Zwölftonreihe bis zum volksmusikalischen Zitat, spielt weniger eine Rolle als die emotionale Wirkung dieser Kompositionen. Es ist Musik, die im steten Überlebenskampf sich befindet, erst im Kampf den Mut zum Weitermachen erhält. Das ist weder erheiternd noch im oberflächlichen Sinn "interessant"; um das Auffinden noch nie dagewesener Klangformen geht es Nordgren nicht. Ebenso erwarte man keine sinfonische Formstrenge im mitteleuropäischem Sinn. Die beiden einsätzigen Werke sind recht monolithisch, blockhaft gearbeitet.
Wenn sie aber mit einem so hundertprozentigem Einsatz interpretiert werden wie hier von Juha Kangas, werden alle etwaigen Fragen beantwortet. Kangas, der dem Schaffen Nordgrens seit Jahren verbunden ist und zahllose seiner Werke aus der Taufe gehoben hat, leitet beide Sinfonien mit untrüglichem Gespür für Nordgrens diffizile Tonsprache. Unter seiner Leitung gestaltet sich vor allem die 1989 vollendete Zweite Sinfonie zu einem aufwühlenden Drama in nordischer Landschaft – hin- und hergerissen zwischen wilden Orchestereruptionen und statischen Klangflächen, dennoch von bezwingender Logik. Hoffentlich spielt Kangas nun auch Nordgrens sinfonisches Meisterwerk ein, die Dritte Sinfonie.

Thomas Schulz, 27.07.2000



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