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Alban Berg

Wozzeck

Bo Skovhus, Angela Denoke u.a., Philharmoniker Hamburg, Ingo Metzmacher

EMI 556865 2 
(95 Min., 9/1998, 10/1998) 2 CDs

Bergs "Wozzeck“ ist ein Dulder, einer der einsteckt, bis es nicht mehr geht, mit großen, naiven Augen in die Welt blickt und an ihr verzweifelt - oder? Bo Skovhus hat mich eines Besseren belehrt. Wenn sein Wozzeck gleich zu Anfang vom Hauptmann (Chris Merritt) wegen unmoralischen Lebenswandels gerüffelt wird, reißt Skovhus die Klappe auf, stellt mit stolzem Bariton die Autorität seines Vorgesetzten infrage.
Skovhus’ Wozzeck ist durchaus klar im Kopf, der Wahnsinn liegt bei ihm in den Prämissen, die er draußen mit Andres im Feld beim Stöckeschneiden in gedehnter Rede ausformuliert. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg und Ingo Metzmacher sehen es ähnlich. Hier spielt das Leben, wie es ist: roh, ungeschlacht, aggressiv.
Dass mit diesem Wozzeck zu rechnen ist, dass er vor allem ein Mann, nicht nur eine Marionette ist, lässt die anderen Figuren mit ihm musikalisch in Beziehung treten. Das gilt natürlich vor allem für Marie: Angela Denoke gibt ihr viel Mütterliches, sogar noch in der ersten Konfrontation mit dem Wahnsinn ihres Lebensgefährten, während der Wortwechsel über ihre Untreue sich zu einem veritablen Ehestreit auswächst. Und doch kann auch dieser Wozzeck sich gegen die Verhältnisse - personifiziert im Machtstreben des eiskalten "Doktors“ von Frode Olsen - nicht behaupten. Sein Schicksal trifft uns in dieser Aufnahme vielleicht gerade deswegen so, weil uns Wozzeck hier als Mensch begegnet.

Stefan Heßbrüggen, 31.05.1999



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