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Ludwig van Beethoven

Klavierkonzerte Nr. 1 u. 2

Yefim Bronfman, Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman

Arte Nova/Sony BMG 82876 2587 9
(67 Min., 10/2005) 1 CD

Beethoven und Zinman: Das treibt dem schwülstig-schicksalsschweren, titanenringenden, romantisch-aufgedunsenen - kurzum: deutschen Beethoven-Traditionalisten die Zornesröte ins Gesicht. Was seit nunmehr zehn Jahren den Furtwänglerianern und ihren Thielemann'schen Adepten aus Zürich wie ein Sakrileg entgegen klingt, ist ein bestens kurierter, verschlankter, entschlackter Beethoven, den Wagner noch nicht in seine Dramenfinger bekam und der deshalb noch sein darf, was er war: mal skurril-witziger, mal herrisch dreinfahrender, mal empfindsam sinnierender Zeitgenosse der Umbruchszeit vom 18. zum 19. Jahrhundert.
Mit den beiden ersten Klavierkonzerten beendet Zinman nun seine Furore machende Beethoven-Botschaft, die bekanntlich vor zehn Jahren mit einer Aufsehen erregenden Sinfonieneinspielung begann. Wie gewohnt fasziniert das wunderbar durchsichtig aufspielende Tonhalle-Orchester mit seinem Mischklang von "herkömmlichen" Streichern und zeitgenössischen Originalklangbläsern, die einen gleichermaßen aufgerauten wie warm timbrierten Sound produzieren.
In Yefim Bronfman hat Zinman einen Idealpartner gefunden: Beide sind bestens aufeinander eingestimmte Präzisionsfanatiker, die auch noch dem kleinsten, scheinbar beiläufigen Vorhalt und Triller genaueste Aufmerksamkeit zollen (wie besonders plastisch im rhythmisch gewitzten Finalrondo des B-Dur-Konzertes zu hören ist). Und was die Kunst der Stimmbalance angeht, so überraschen immer wieder scheinbare Nebenstimmen, die plötzlich hervortreten und so das gewohnte melodisch-harmonische Bild aufs Angenehmste irritieren.
Vor allem - und das ist die eigentliche Überraschung der Aufnahme - faszinieren die langsamen Sätze. Für Zinman gibt es hier keine "Begleitung", sondern nur ein gleichberechtigtes Miteinander von Solist und Orchester. Der Rezensent kennt keine Aufnahme, in der das Largo des C-Dur-Konzertes dynamisch derart subtil ausgeleuchtet wird und die Differenzen von (oft gleichzeitigen, auf verschiedenen Stimmen verteilten) Legato-, Staccato- und Portamento-Phrasen so nuanciert ausklamüsert sind wie bei Bronf- und Zinman. Dazu gehört auch die glasklare Botschaft des Beginns des C-Dur-Konzertes, mit dem Beethoven den militärischen Schneid der Orchester-"Truppe" durch den grazil-sentimentalen Gesang des Klaviersolos konterkariert. In jeder Hinsicht also ein würdiger Abschluss des faszinierenden Beethoven-Experiments aus Zürich.

Christoph Braun, 24.11.2006



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