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Ludwig van Beethoven

Sonaten für Klavier und Violine Nr. 4 op. 23, Nr. 7 op. 30 Nr. 2

Andreas Staier, Daniel Sepec

harmonia mundi HMC 901919
(55 Min., 2005) 1 CD

Die dritte Stufe der Alte Musik-Reform greift sofort. Nachdem seit Jahrzehnten schon historische Instrumente auf alte Stücke, dann auch auf romantisches Repertoire angesetzt worden waren, fasst man neuerdings den Begriff "Originalinstrument" enger. Beethovens Violine (der 30-Jährige erhielt sie vom Fürsten Lichnowsky) tauchte 1995 in den USA wieder auf. Für 15 000 Euro erwarb das Bonner Beethoven-Haus die Geige, auf dem Beethoven ein "B" eingeritzt hatte. Jetzt gibt sie Anstoß für eine - wer weiß?! - Interpretationswelle, bei der auf exakt jenen Instrumenten gespielt wird, für die (oder mit denen) dereinst komponiert worden ist.
Der Höreindruck ist gewöhnungsbedürftig. Beethovens Geige (entstanden um 1700) verströmt einen zart ächzenden, ja asthmatischen Ton von endzeitlich umwittertem Charme. Lautere Stellen gleichen einer Kartharrverschleppung. Auch das Pianoforte Graf (1824), das man dazu gestellt hat, bleibt eher schwächlich in der Tonproduktion. Man glaubt zeitweilig, es werde auf Holz geklopft. Dann wieder klingt es wie eine matte Harfe.
Dennoch ergibt sich hieraus eine seltsame, aber überraschend glaubhafte Neukonstellation. Die durch ihre ’originalen’ Aufführungsbedingungen dividierten Werke gehen verwandelt daraus hervor. Das Ergebnis aber bleibt unverwechselbar echter Beethoven.
Der deutsche Geiger Daniel Sepec (zugleich Konzertmeister der Bremer Kammerphilharmonie) gibt auf Beethovens Instrument den Hausmusikirrwisch. Er betont Kleinteiligkeit und harmoniert dabei mit Andreas Staier so vorzüglich, dass man berühmtere Konkurrenten rasch vergisst. Die Sonate Nr. 7 c-Moll op. 30, die auf diesem Kammermusikinstrument (im Unterschied zur Konzertmeistergeige) uraufgeführt worden sein dürfte, wirkt viel zerrütteter, auch privater als sonst. Zwischendurch gibt’s Beethovens "Variationen über ’Se vuol Ballare’" WoO 40, die dem Pianisten als Spezialeffekt einen scheinbaren Tritt ins Klavier abverlangt. Hoffentlich hat es keinen Schaden genommen. Denn diese CD ist ganz wunderbar.

Robert Fraunholzer, 25.08.2006



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