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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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John Dunstable

Messen und Motetten

Tonus Peregrinus

Naxos 8.55 7341
(70 Min., 1/2004) 1 CD

Der Ruf des John Dunstable (etwa 1390 bis 1453) ist unter Musikwissenschaftlern geradezu ein mystischer. Viel weiß man zwar nicht von seiner Person, doch seine Musik galt bereits bei Zeitgenossen als besonders innovativ, nicht zuletzt wegen des außergewöhnlichen Wohlklangs seiner kirchlichen Vokalmusik - er achtete im Gegensatz zu vielen Vorgängern auf konsonantenreiche Harmonien und ist auch ein Wegbereiter des Kunst Guillaume Dufays.
Das Ensemble Tonus Peregrinus aus England hat sich zum Ziel gesetzt, sich in seinen Interpretationen möglichst nah an historische Fakten zu halten - wobei ein Faktum von vornherein außer Acht gelassen wird: Von "Mulier taceat in ecclesia" ("Die Frau schweige in der Kirche") kann angesichts von zwei Sopranen und einem Alt nicht die Rede sein. Tonus Peregrinus setzt nicht als einziges Ensemble in alter Kirchenmusik Frauenstimmen ein, und der Tonraum ist durch diese Besetzung größer als in anderen Interpretationen, etwa der des Hilliard-Ensembles, bei dem Countertenöre und Altisten singen. Der Klang wirkt nicht zuletzt deshalb in dieser Aufnahme manchmal geradezu sphärisch weit, was im Zusammenspiel mit dem langen Nachhall der wunderschönen romanischen Kirche von Chancelade im Périgord insgesamt doch recht verwaschen klingt.
Und sicher ist es eine Frage des Geschmacks, ob man angesichts der entrückten Klänge, die die acht Sänger von Tonus Peregrinus unter ihrem Leiter Anthony Pitts in bester englischer A-cappella-Tradition hervorzaubern, sich selbst entrücken lässt - oder ob man sich etwas mehr Bodenständigkeit wünscht, vielleicht nicht ganz solche Glätte, etwas mehr Greifbarkeit, Gegenständlichkeit der Stimmen wie der Musik.

Matthias Reisner, 17.12.2005



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