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Guillaume Dufay

Flos Florum: Motetten, Hymnen, Antiphone

Ensemble Musica Nova

Zig Zag Territoires/Note 1 ZZT 050 301
(56 Min., 5/2004) 1 CD

Der bedeutende Dufay-Biograph David Fallows schockte seine Leser einst mit dem Bekenntnis, er habe die Musik des mittelalterlichen Meisters vor allem über das Spielen auf dem modernen Klavier lieben gelernt. Letztlich wisse man nämlich noch längst nicht genau, was Dufays Musik für die Hörer im 15. Jahrhundert so attraktiv gemacht habe. Ganz so skeptisch sind die Mitglieder des Ensembles Musica Nova aus Lyon nicht: Sie behaupten sogar, dass nur die Suche nach dem historisch richtigen Aufführungsstil die volle Ausdruckskraft dieser Musik freisetzen könne. Doch auf ihrem Weg bemühen sie sich dennoch geradezu demütig, die Aufmerksamkeit des Hörers nicht von der puren Substanz der schwarzen und weißen Noten abzulenken.
Keine bunten historisierenden Besetzungen also: Wir hören allein die Stimmen von drei Sängern und zwei Sängerinnen. Die Aufnahmeperspektive ist sehr fokussiert: fast hat man den Eindruck, als Mitsänger im Ensemble zu stehen. Ein überzeugender Blickwinkel, der deutlich macht, dass Dufays Musik meistenteils exklusiv von Kennern vor Kennern musiziert wurde. Zusammen mit dem unaufdringlichen Kirchenhall entsteht ein Klangbild, das spirituelle Konzentration, sinnliche Harmonien und exzellente Durchhörbarkeit verbindet: Kenner könnten jede Stimme mitschreiben, Nichtkenner werden intuitiv auf die Raffinesse der konstant variierten melodisch-rhythmischen Flechtmuster gelenkt. Deutlich spürbar ist aber auch die Faszination der Interpreten für die mathematischen Schönheiten dieser Musik: Verzierungsnoten erhalten ihren abgezählten Wert, ohne starr zu wirken und auch die kompliziertesten rhythmische Gleichungen werden mit ebenso ruhiger wie beruhigender Eleganz aufgelöst. Nicht zuletzt die Auswahl der Stücke – Motetten, Hymnen und Antiphone, die auf unterschiedliche Weise Bezug zur Gottesmutter Maria nehmen - macht diese CD zur einer idealen Einführung in das Werk Dufays. Nirgendwo sonst kann man den großen Reichtum seiner Einfälle besser studieren als an diesen Miniaturen, die trotz ihrer durchschnittlich kaum fünf Minuten währenden Dauer doch gleichzeitig Hauptwerke sind. Schließlich bestimmte der Komponist eine von ihnen sogar für die Aufführung am eigenen Totenbett.

Carsten Niemann, 20.08.2005



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