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Ernö Dohnányi

Serenade für Streichtrio C-Dur op. 10, Sextett C-Dur op. 37

Spectrum Concerts Berlin

Naxos 8.55 7153
(50 Min., 12/2001, 6/2001) 1 CD

Ernö (oder Ernst, wie man ihn in Deutschland nennt) von Dohnányi war der Großvater des Dirigenten Christoph von Dohnányi. Er kam 1877 in Pressburg (Bratislava) zur Welt, studierte zwischen 1893 und 1897 an der Budapester Musikakademie, begann danach als Klaviervirtuose aufzutreten und wurde später Lehrer an der Berliner Musikhochschule und an seiner einstigen Ausbildungsstätte in Budapest. Dohnányi war Landsmann, Zeitgenosse und Schulfreund von Bartók, wurde von Brahms gefördert und blieb Zeit seines Lebens als Komponist den spätromantischen Wurzeln treu, wobei er es verstand, dieses Erbe in ein durchaus persönliches Licht zu stellen. Das ist bereits in der 1902 entstandenen, aus fünf kurzen Sätzen bestehenden Streichtrio-Serenade zu erkennen - einem Werk, das mitunter ungarischen Einschlag in der Brahms-Liszt-Nachfolge pflegt und einerseits mit kontrapunktischer Solidität, andererseits mit großem melodischen Einfühlungsvermögen glänzt. In dieser Hinsicht ist Dohnányi auch ein wenig mit Reger zu vergleichen - ein Eindruck, der sich bei dem um 1935 entstandenen, ins Orchestrale übergehende Sextett für Klavier, Streichtrio, Klarinette und Horn noch verfestigt. Hier leistet sich der Komponist im übermütigen Finale sogar einen Seitenblick auf die Musik seiner Nachkriegs-Wahlheimat USA; man könnte glatt glauben, es mit einem frühen Copland zu tun zu haben.
Das Ensemble Spectrum Concerts Berlin musiziert klanglich sehr delikat in halliger, leicht verschwimmender Raumatmosphäre. Im formal größer dimensionierten Sextett gerät die Interpretation zum Teil etwas episodenartig. Insgesamt bietet die Veröffentlichung jedoch eine sehr empfehlenswerte Wiederentdeckung eines Meisters zwischen den Epochen.

Oliver Buslau, 05.07.2003



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