Von dem englischen Komponisten Frederick Delius sind hierzulande zwar etliche Orchesterwerke, jedoch kaum eine Oper bekannt. Dass "Fennimore und Gerda" nun in Zusammenarbeit mit dem Dänischen Rundfunk produziert wurde, kommt nicht von ungefähr, denn die Oper basiert auf dem Roman des dänischen Dichters Jens Peter Jacobsen, aus dem Delius die Dreiecksgeschichte zwischen der schönen Konsulstochter Fennimore, dem Maler Erik und dem Schriftsteller Niels herausdestilliert hat.
Richard Hickox, fraglos einer der führenden Dirigenten Großbritanniens, besitzt ein ausgeprägtes Gespür für die klanglichen Valeurs und die vorwiegend lyrische Grundhaltung der Musik Delius', wird gleichwohl den dramatischen Zuspitzungen voll gerecht. In guter, teilweise sogar hervorragender Verfassung präsentiert sich das Orchester, doch wirkt der Klang gelegentlich zu dick und droht die Sänger zuzudecken, was zum Teil allerdings der Aufnahmetechnik anzulasten ist.
Mark Tucker mag, vor allem in der Höhe, den Erwartungen eines Belcantofreundes nur bedingt entsprechen, kann jedoch mit rollendeckender Charakterisierung des in Liebe wie Arbeit gleichermaßen erfolglosen Malers aufwarten. Sein Gegenspieler Niels, der ihn in der Gunst Fennimores für kurze Zeit zu verdrängen vermag, erfährt durch den sonoren, ausdrucksvollen Bariton von Peter Coleman-Wright eine facettenreiche Porträtierung.
Die Palme gebührt der norwegischen Mezzosopranistin Randi Stene, die über eine frische, unverbrauchte Stimme verfügt, in der sich ein samtiges Mezzotimbre mit einer großen Höhe verbindet, und die in den Lyrismen mit wunderbarem Legato ebenso überzeugt mit einer sicheren Attacke in dramatischen Momenten.

Norbert Christen, 28.02.1998



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