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Richard Danielpour

Elegies, Sonnets To Orpheus

Ying Huang, Frederica von Stade, Thomas Hampson, Perspectives Ensemble, London Philharmonic Orchestra, Roger Nierenberg

Sony 5 099706 085027
(65 Min., 9/1998, 4/2000) 1 CD

Weiter könnten die beiden Gesangszyklen auf dieser CD inhaltlich nicht voneinander entfernt sein: Hier Rilkes "Sonette an Orpheus" in einer englischen Übersetzung, dort Gedichte der Amerikanerin Kim Vaeth, basierend auf Briefen von Charles von Stade, im Zweiten Weltkrieg gefallener Vater der Sopranistin Frederica von Stade. Sowohl die Gedichte als auch Richard Danielpours Komposition "Elegies" entstanden auf Anregung der Künstlerin, als Huldigung an ihren Vater, den sie nie kennen lernte. Die Aufrichtigkeit von Frau von Stades Anliegen sei hier keinesfalls in Zweifel gezogen, doch wer einerseits um die Amerika-typische öffentlich zelebrierte Gefühligkeit weiß und andererseits die Musik kennt, die heute in den USA vorwiegend komponiert wird, kann sich denken, was auf ihn zukommt.
Und genau das kommt dann auch: Richard Danielpour ist ein versierter Komponist, der sein Handwerk glänzend beherrscht und hervorragend instrumentiert. Ein unverwechselbar eigener Stil ist seine Sache jedoch weniger. All jene Komponisten, die im 20. Jahrhundert Musik geschrieben haben, die - zumindest an der Oberfläche - angenehm ins Ohr geht und nicht weh tut, feiern in seinen "Elegies" ein fröhliches Wiedersehen: Strauss, Respighi, wenn es gelegentlich (selten genug!) mal etwas dramatischer wird, auch Schostakowitsch und Britten, und natürlich Danielpours Landsleute Barber, Bernstein oder, um einen Lebenden zu nennen, John Corigliano.
Mit etwas gutem Willen könnte man eine solche Vorgehensweise Eklektizismus nennen, doch aufgrund der alles übertönenden Saccharin-Süße der Musik lassen sich noch nicht einmal die stilistische Gewandtheit Danielpours und die mehr als ordentlichen Leistungen von Stades und Hampsons goutieren.
Ein ähnliches Bild bieten die "Sonette an Orpheus". Ich will mich gar nicht darüber mokieren, dass Danielpour anders an diese Lyrik herangeht als ein deutscher Komponist; schließlich haben sowohl Hindemith als auch Karl Amadeus Hartmann auf sehr unamerikanische Weise Walt Whitman vertont. Doch warum musste er Rilkes Gedichte in rosa Zuckerwatte tauchen? Wohlgemerkt: Auch hier zeigt sich die handwerkliche Gediegenheit der Komposition, und die Sopranistin Ying Huang vermag mit ihrer schlanken und biegsamen Stimme durchaus zu gefallen. Doch jedes Divertimento von Haydn, jede Serenade von Mozart stellt den Hörer vor größere Anforderungen.

Thomas Schulz, 02.08.2001



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