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Claus Ogerman

Klavierkonzert, Konzert für Orchester

Claus Ogerman, National Philharmonic Orchestra

Decca 013 949-2
(64 Min.) 1 CD

Der 1930 in Schlesien geborene Claus Ogerman ist den wenigsten Klassikhörern ein Begriff - es sei denn, sie wären gleichzeitig Freunde des Bossa-Nova-Schöpfers Carlos Jobim. Denn für diesen hat Ogerman (der sich seinerzeit nur mit einem n schrieb) zwischen 1963 und 1980 eine Serie faszinierender, zunehmend anspruchsvoller Alben orchestriert. Zwischendurch, um Geld zu verdienen, verwandte er seine Arrangierkünste an Jazzgrößen wie Oscar Peterson, Stan Getz und Jimmy Smith.
Daneben wurde sein Ehrgeiz, ernst zu nehmende Kompositionen zu schaffen, immer stärker: 1974 etwa schrieb er mit "Symbiosis" ein ausgedehntes Klavierkonzert für den Jazzpianisten Bill Evans, das bei Glenn Gould Begeisterung hervorrief. Am Ende des Jahrzehnts zog sich Ogerman zurück, um sich ganz aufs Komponieren zu verlegen.
Aus dieser Periode stammen die beiden hier von ihm selbst dirigierten Stücke. Das Konzert für Orchester von 1991 folgt nur dem Namen nach den einschlägigen Werken von Kodály, Bartók oder Lutoslawski; wie alle Stücke Ogermans bleibt es im Rahmen der Tonalität, die mit gelegentlichen Dissonanzen gewürzt wird. Neu ist gegenüber älteren Arbeiten aus seiner Feder nur der Einfluss Steve Reichscher Patterns. Die Dreiviertelstunde wird unter den Händen Ogermans ein wenig lang, weil - wie bei einem konzertierenden Orchester nicht anders zu erwarten - zwar "alle mal drankommen", aber sich nicht wirklich etwas vorwärtsbewegt.
Das zweisätzige, knapp zwanzigminütige Klavierkonzert aus dem Jahre 1993 bietet neben ein paar interessanten formalen Einfällen einige sehr schöne Passagen ("Tranquillo"), vor allem für den Streicherkörper, für dessen Klang Ogerman ein Händchen hat wie nur wenige. Auch der Komponist am Klavier muss sich als Interpret keineswegs verstecken.
Leider musste ich beim Hören dauernd an den Saxofonisten Ornette Coleman denken, der forderte: "Let's play the music, not the background". Ogerman dreht dieses Prinzip um und malt die schönsten Hintergründe, die man sich nur wünschen kann. Aber die Musik habe ich auf dieser CD doch ein wenig vermisst.

Mátyás Kiss, 10.01.2002



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