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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten op. 2 Nr. 1 - 3 und op. 7

András Schiff

ECM/Universal 1940/41 o. 476 3954
(78 Min., 3/2004) 2 CDs

Nun macht sich endlich also auch András Schiff an die Arbeit. Eine Gesamteinspielung der Beethoven'schen Klaviersonaten wird freilich mit den Jahren nicht leichter: Das wachsende Bewusstsein der historischen Bedeutung dieses Werkkomplexes und der steten Gegenwart seiner erfolgreichen Bezwinger kann auch ein Hemmschuh sein. So tut Schiff gut daran, nicht vorrangig auf die Tradition, sondern auf den Notentext zu schauen. Die Veröffentlichung der ersten vier Sonaten als (leicht halliger, aber von Störgeräuschen zumindest weitgehend verschonter) Live-Mitschnitt aus der Tonhalle Zürich fällt zu allererst durch Schiffs sehr genaue und respektvolle Lesart auf: Wo, wie etwa am Ende der Exposition von op. 2 Nr. 1, eine Fermate sich logisch anbieten würde und meist auch gespielt wird, die aber nicht notiert ist, stürmt Schiff ohne Einhalt weiter. Solches Vorgehen ist hier wie anderswo gleichwohl nicht nur philologisch korrekt, sondern auch musikalisch konsequent. Denn Schiff denkt Beethoven nicht von der Großform her, sondern vom Detail, vom Material, aus dem die Großform erst entsteht: vor das Thema setzt er das Motiv, vor die Phrase die Figur. Das stärkt diese Aufnahme, doch es beschränkt sie auch. Während kleinteilige Strukturen wie das Menuett und Rondo von op. 2 Nr. 2 glänzen, fehlt es großräumigen Entwicklungen zuweilen an Durchhaltevermögen und architektonischer Verklammerung, zumal Schiffs Dynamik besonders im oberen Bereich nur beschränkten Spielraum gewährt. Unterm Strich eine kluge, vernünftige Einspielung, die wiederholt aufhorchen lässt, ohne aber als Ganzes neue Standards zu setzen.

Raoul Mörchen, 10.12.2005



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