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Luigi Cherubini

Messe d-Moll

Chor des BR, Symphonieorchester des BR, Riccardo Muti

EMI 5 57166 2
(77 Min., 1/2001) 1 CD

Ist das nun große Musik? Über weite Strecken klingt sie danach. Kein Wunder: Luigi Cherubini (1760-1842) war nicht irgendwer, und schließlich hatte er versucht, sich mit diesem Werk nachdrücklich bei Haydns ehemaligem Brötchengeber Nikolaus Esterházy als Kapellmeister ins Gespräch zu bringen.
Und sie funktioniert, diese ehrgeizige, riesenhafte Messe, über ihre ganze Länge, mit der sie sogar Beethovens Missa solemnis übertrifft. Überhaupt kommt einem Beethoven, der Cherubini viel verdankt, immer wieder in den Sinn - besonders was den reichen, bisweilen etwas militärischen Bläsersatz anbelangt. Die Bläser sind neben den insgesamt elegant aus dem Chorklang heraustretenden Solisten auch das, was am besten herauskommt in dieser ungeheuer geschmeidigen Interpretation; dafür scheint aber die Brillanz und Durchsichtigkeit in den Streichern bei der Live-Aufnahme etwas gelitten zu haben.
Um so höher muss man wohl die Leistung des Chores bewerten, auf dem nun fast die ganze Last der Spannungserhaltung lag. Denn anders als das Titelcover mit seinen Ausschnitten aus dem Manuskript zu Cherubinis berühmtestem Werk, der Oper Médée, suggerieren könnte, trägt die Messe nur bedingt die Handschrift des Opernkomponisten. Statt die Messworte mit musikalischem Trockeneis oder Theaterdonner zuzudecken, mutet uns Cherubini vielmehr ausgedehnte Passagen exquisiten aber kühl kalkulierten Kontrapunkts zu: das will, wie hier geschehen, allezeit sinnlich, aber mit sehr überlegt eingesetzen Ausdrucksspitzen vorgetragen werden. Einzige Kritik: in der dramatischen Höhe werden die Soprane stellenweise etwas eng.
Wenn Cherubini doch nun noch ein paar charakteristische Effekte eingestreut hätte! Dann wäre diese gelungene lange Musik auch große Musik.

Carsten Niemann, 08.11.2001



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