Emilio de' Cavalieri

La Rappresentatione di Anima e di Corpo

Judith Nelson, Paul Hillier, The Whole Noyse, Magnificat, Warren Steward, Susan Harvey

Koch Classics KIC 3 7363-2
(68 Min.) 1 CD

Die Gattung der Oper entstand nicht aus dem Nichts. Einer der Vorläufer war Cavalieris „Rappresentatione“, die 1600 in Rom uraufgeführt wurde, also sieben Jahre vor Monteverdis „Orfeo“, mit dem man in der Regel die Operngeschichte beginnen lässt. Es handelt sich um ein geistliches Spiel im rezitativischen, also erzählenden Stil. Cavalieri gebührt der Ruhm, hiermit erstmals einen dramatischen Text vollständig vertont zu haben.
Anders als bei späteren Opern wird keine Episode aus der Mythologie in Musik gesetzt. Wie aus dem Titel hervorgeht, dreht es sich um eine Vorstellung von Seele (Anima) und Körper (Corpo), eine Allegorie ohne durchgängige Handlung. Weitere allegorische Figuren, wie zum Beispiel Welt, Ratschlag und Zeit, treten auf; dem Chor fällt die Aufgabe des Kommentators zu.
Das Ensemble Magnificat, hier unterstützt vom Bläserensemble The Whole Noyse, hat Erfahrung mit der szenischen Aufführung geistlicher Spiele. Das schlägt sich nieder in einer plastischen und lebendigen Musizierweise der Protagonisten Judith Nelson und Paul Hillier, der anderen Vokalsolisten und des Chores und im Schwung der tänzerischen Instrumentalsätze. Der Eindruck einer szenischen Aufführung wird akustisch durch einen auf- und abtretenden Chor und das hörbare Öffnen des Tors zur Hölle unterstützt; auch sonst ist das Klangbild sehr ansprechend. Die Interpretation macht deutlich, dass diese Komposition nicht nur zur moralischen Erbauung, sondern gleichermaßen zur Unterhaltung entstanden ist.
Das Beiheft bietet den vollständigen Text sowie eine Einführung in Werk und Aufführungspraxis – leider beides ohne deutsche Übersetzung. Eine empfehlenswerte Einspielung, die trockene Musikgeschichte lebendig werden lässt.

Peter Overbeck, 28.02.1997



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