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Einar Englund

Klavierkonzerte Nr. 1 und 2, Epinikia

Matti Raekallio, Philharmonisches Orchester von Tampere, Eri Klas

ONDINE/Note 1 ODE 1015-2
(53 Min., 4/2002) 1 CD

Manche Komponisten brauchen etwas länger, bis sie modern wirken - so auch Einar Englund (1916 - 1999). Zwar brachte der schon nach dem Zweiten Weltkrieg frischen Wind in das von Übervater Sibelius dominierte finnische Musikleben: seine Werke waren an Bartók, Prokofjew und dem Strawinsky der klassizistischen Periode geschult. Für die mitteleuropäische Szene wirkte das Ganze jedoch vergleichsweise retrospektiv. Jetzt, wo jene Klassiker der Moderne, die den radikalen Bruch mit allen spätromantischen Traditionen versuchten, selbst wieder hinterfragt werden, wirkt Englund durchaus weitsichtig. Und den Jüngeren handwerklich überlegen: gerade im Vergleich zu Vielem, was derzeit aus nord- und osteuropäischen Ländern an eklektizistischer Sinfonik losgelassen wird, erscheint seine Instrumentation wendiger, originärer für das Orchester erfunden, und sein Kontrapunkt knackiger.
Das Beste aber sind die Unmittelbarkeit des Musizierens und der improvisatorische Geist, die sich Englund, der sich lange Jahre auch als Jazzpianist und Unterhaltungsmusiker durchschlug, gerade in den 1955 und 1974 entstandenen beiden Klavierkonzerten bewahrt hat. Von all dem haben sich Raekallio, Klas und das Orchester hörbar mitreißen lassen: frisch, keck sogar, aber ohne vordergründigen Groove, dann wieder sachlich, aber nicht kalt und an den besten Stellen mit einer erwachsenen, ganz ernsten Zärtlichkeit.

Carsten Niemann, 15.11.2003



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