Es tut sich was in Sachen Messias: Von Nikolaus Harnoncourts mit eigenwillig brachialer Neudeutung über René Jacobs zugespitzt theatralischen Ansatz bis hin zu Hervé Niquets Interpretation aus französischer Sicht zeigt sich derzeit in Konzert und auf CD, dass Händels Meisterwerk längst nicht abgespielt ist. Nun hat sich auch Wolfgang Katschner mit seiner Lautten Compagney mit einem hörenswerten Beitrag zu Wort gemeldet. Der Lautenist und Dirigent setzt beim Wort an: Seine Einspielung greift nämlich auf die wenig bekannte deutsche Textfassung von Johann Gottfried Herder aus dem Jahre 1780 zurück. Herder schuf ein eigenwilliges Kunstdeutsch, das sich weniger an die Melodik des Lutherbibelworts hält, sondern stärker die Musikalität des englischen Librettos betont. Ohne dass die Sänger übertreiben müssten, wird der innerlich mitsummende Hörer aus seinem seligen Dahindämmern heraus- und zurück auf den Text gestoßen: So etwa, wenn dem Heiland wörtlich an den Haaren gerissen wird. Katschner setzt auf sehr moderate Tempi, die das Orchester mit um so größerer Differenzierungskunst und angenehm unaufdringlicher Gelassenheit zu füllen weiß. Der ebenbürtig klar und intonationsrein wirkende Chor kommt etwas weniger sprechend herüber – ihn hätte die Aufnahmetechnik wohl etwas mehr in den Vordergrund des historischen Bad Lauchstädter Kursaals rücken können. Maria Riccarda Wesseling und Raimund Nolte liefern ihren Part untadelig, aber im Ausdruck etwas konventionell ab; für die Vorstellung einer unbekannten Textversion hätten sie mehr Nuancen herausarbeiten können. Präsenter sind die Sopranistin Sharon Rostorf-Zamfir und vor allem der intelligent und mit dramatischem Instinkt deklamierende Tenor Kobie van Rensburg.

Carsten Niemann, 04.01.2008



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