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Othmar Schoeck

Sämtliche Streichquartette

Minguet Quartett

MDG/Naxos 603 0665-2
(59 Min.) 1 CD

Ein wenig scheint der Schweizer Komponist Othmar Schoeck das Schicksal Schuberts zu teilen: Auch der war seinen Zeitgenossen vor allem als Liederkomponist ein Begriff. Das Düsseldorfer Minguet Quartett tritt mit seiner Gesamteinspielung des Werks für Streichquartett den Gegenbeweis an: Auch als Kammermusiker ist Schoeck ein überaus selbständig denkender Kopf gewesen, der auf jeden Fall die Wiederentdeckung lohnt.
Schon der Quartettsatz B-Dur des Zweiundzwanzigjährigen zeigt ihn im Jahr 1908 als Vertreter einer lichten, aber dennoch romantischen Tonsprache, die aber überhaupt nichts mit dem wilhelminischen Pathos seines Lehrers Max Reger zu schaffen haben wollte. Das 1913 komponierte erste Streichquartett hält ebenfalls noch Kontakt zur Tradition, enthält klar formulierte, eingängige Themen und eine gehörige Portion leisen Witzes, der vor allem in den Rückungen des montierten Intermezzos zu Tage tritt. Das zweite Streichquartett von 1923 darf man getrost zu den vergessenen Meisterwerken unseres Jahrhunderts zählen. Die jungen Musiker des Minguet Quartetts sind beredte Anwälte dieser immer vom Vokalen her gedachten Musik. Und wie sie dem Presto-Finale des ersten Quartetts diesen fast behaglichen alpenländischen Swing mitgeben, das muss man gehört haben.

Stefan Heßbrüggen, 31.01.1997



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