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Alfred Schnittke, Konstantin Heidrich, Vakhtang Kakhidze, Peter Iljitsch Tschaikowski, Franz Waxmann, Hanuš Bor u.a.

Happy Birthday

Gidon Kremer, Marta Sudabra, Louis Lortie, Kremerata Baltica

Nonesuch / Warner Classics 755979657-2
(66 Min., 6/1999, 9/1999, 12/2001) 1 CD

“In der Tradition des Konzerts ist die Zugabe so etwas wie die feuchte Nase eines Hundes, die sanft die Erinnerung des Zuhörers stupst und Anerkennung und Zuneigung verlangt.” Schön gesagt! Der Satz stammt aus dem Booklet dieser CD, die - so wird dort behauptet - “subtil stilisierte Zugaben” enthält. Der Titel “Happy Birthday” bezieht sich auf das Ensemble Kremerata Baltica, das 2002 sein 5-jähriges Jubiläum begehen durfte und sich hier selbst feiert; wie oben gesagt mit dem Verlangen um Anerkennung und Zuneigung, und das, wie ich finde, ein bisschen angestrengt.
Für einigermaßen gebildete Klassik-Freunde gibt es viele Momente, in denen man sich wissend zuzwinkern kann. Zum Beispiel, wenn Peter Heidrich die Melodie “Happy Birthday to you” durch elf (durchaus clever gemachte) Variationen schickt - zuerst im Stil großer Meister, dann im Rhythmus verschiedener Tänze. Beim Stück “McMozart’s eine kleine bricht Moonlicht nicht Musik” wird der Komponist mit dem Synonym Teddy Bor allerdings länger über den Titel als über den faden Verzweigungen und Irrwegen gegrübelt haben, die er Mozarts erstem Satz der “Kleinen Nachtmusik” angedeihen lässt. Dass Heidrich im Nachahmen anderer Komponisten Vorläufer hatte, zeigt der Filmkomponist Franz Waxman, der 1947 bereits die schottische Melodie “Auld Lang Syne” in stilisierte Variationen presste und dabei mit dem Satz “Hommage to Shostakofiev” gleich zwei zeitgenössische Russen auf den Arm nahm. Vato Kakhidze verbindet in seiner “Blitz Fantasy” satte Streicher à la Grieg mit melismatischem Volksgesang aus Georgien, und das so inbrünstig, als wolle er die WDR-4-Sendung “Musik zum Träumen” um einen Titel bereichern.
Neben Anklängen im Geiste des “so als ob” widmen sich die Musiker dem Humor absichtlich platter Virtuosität wie in den ausgegrabenen Variationen über “God Save the King” von Joseph Ghys und François Servais (um 1850). Teilweise gut gemachter, immer gut gespielter Blödsinn: Das ist das Fazit dieser CD. Wer so was mag, ist gut bedient. Er sollte aber das Booklet unaufgeschlagen lassen. Wie soll man Spaß am Unsinn haben, wenn jemand mit dem erhobenen Zeigefinger in verquastem Deutsch darum ringt, dessen Sinn zu erklären?

Oliver Buslau, 01.02.2003



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