Responsive image
Heinrich Schütz

Lukas-Passion SWV 480, Die sieben Worte Jesu am Kreuz SWV 478, Kleine geistliche Konzerte

Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max

Capriccio/Delta Music 67 019q
(58 Min., 1/2002) 1 CD

Eine Passion des achtzigjährigen ”Vaters der deutschen Musik”? Wer würde da nicht ein opulent-gewichtiges Spätwerk erwarten! Doch was Heinrich Schütz dem Dresdener Hof am Ende seines Lebens an Musik für die Karwoche lieferte, kommt auf den ersten Blick höchst asketisch daher: Angelehnt an den mittelalterlichen Lektionston und ohne jegliche Instrumentalbegleitung, tragen Evangelist sowie Interlocutores die Leidensgeschichte vor, unterbrochen nur von den kurzen mehrstimmigen ”Turbae” der Volksmassen und Jünger. Doch Schütz wäre nicht Schütz, hätte er diesem äußerst schlichten Vortrag nicht mit subtilen musikalisch-rhetorischen Kniffen größtmögliche Eindringlichkeit verliehen.
Den insgesamt feinsinnig belebt und deutlich deklamierenden Solisten gelingt es allerdings noch nicht ganz, Schütz‘ höchst eigenem Sprechgesang gerecht zu werden. Was fehlt, ist der bekennerhafte Gestus: jener gewisser Grad von Exaltiertheit, dem jeder kultische Singsang seine finale Wirkungskraft verdankt. Sauber, aber ein wenig routiniert gestaltet sind auch die ausgewählten fünf kleinen Geistlichen Konzerte sowie die früher entstandene, instrumental reicher ausgestattete Passionsmusik ”Die sieben Worte Jesu am Kreuz” geraten. Von den Solisten stechen der Tenor Hans Georg Mammel (allein durch die Mitarbeit bei ”Cantus Cölln” ausgewiesener Experte für deutschen Frühbarock) sowie der wunderbar ausgeglichene Bassist Ekkehard Abele hervor. Auch Veronika Winter wirkt mit ihrem knabenhaften Sopran angenehm authentisch, wobei die Deutlichkeit ihrer Vokale in der Höhe noch nicht ganz an die Präzision ihrer Konsonanten heranreicht.

Carsten Niemann, 10.05.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top