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Alessandro Scarlatti

Colpa, pentimento e grazia. Oratorium

Lola Casariego, Martin Oro, María Espada, Barockorchester Sevilla, Eduardo López Banzo

harmonia mundi / helikon HMI 987045.46
(84 Min., 8/2003) 2 CDs

Festlich ging es zu in den römische Palästen Anfang des 18. Jahrhunderts, sogar zur Fastenzeit. Besonders prächtig war die Musik beim Kardinal Ottoboni, der sogar selbst Libretti beisteuerte, beispielsweise zum hier eingespielten Werk.
Von Alessandro Scarlatti sind - im Gegensatz zu den populären Cembalosonaten seines Sohnes Domenico - nur wenige Werke bekannt. Dieses zweiteilige Passionsoratorium aus dem Jahre 1708 ist eines seiner besten. Der Inhalt ist religiös mit Schuld, Reue und Gnade anstelle mythologischer Helden; der Gnade bleibt natürlich das letzte Wort und sie weist den Weg zum Erlöser. Musikalisch herrscht besonders in Teil 2 gar die Sprache der Oper vor. Nicht nur die Arie der Colpa, "Tormento è sempre", mit wiegendem Siciliano-Rhythmus könnte aus einer Händel-Oper stammen. Steffanis Melodik ist wirkungsvoll, wenn auch langatmiger und weniger kraftvoll als die des jugendlichen Händel, der drei Tage später "La Resurrezione" im benachbarten Palazzo Ruspoli aufgeführt hat.
Das südspanische Ensemble musiziert in seiner ersten Einspielung gemeinsam mit Eduardo López Banzo, der sich mit iberischem Barockrepertoire einen Namen gemacht hat. Die Musiker begleiten die drei Gesangssolisten einfühlsam, in den schnellen Sätzen zupackend und blühen in den Vor- und Zwischenspielen auf; stimmliche Unsauberkeiten und eine nicht immer optimale Sprachverständlichkeit, besonders im ersten Teil, sind wohl dem Konzertmitschnitt geschuldet (der frenetische Schlussapplaus kündet von der Aufnahmesituation!). Das viersprachige Textheft (leider nicht in deutsch) erleichtert die Orientierung. Eine verdienstvolle, aber nicht voll befriedigende Einspielung einer Rarität.

Peter Overbeck, 18.09.2004



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