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Alessandro Scarlatti

Oratorio per la Santissima Trinità

Roberta Invernizzi, Véronique Gens, Vivica Genaux, Paul Agnew, Roberto Abbondanza, Europa Galante, Fabio Biondi

Virgin/EMI 545 666-2
(67 Min., 10/2003) 1 CD

Die Materie dieses Oratoriums ist wohl eine der trockensten, über die jemals im Hochbarock komponiert worden ist und genau das macht den großen Reiz dieser Aufnahme aus. Denn dem Komponisten und seinen Interpreten gelingt das Kunststück, einem länglichen Disput zwischen Unglaube, göttlicher Liebe, Glaube, Zeit und Theologie, der so abgehoben ist, dass sogar der Übersetzerin bisweilen der Sinn entgleitet, dennoch Saft, Kraft, Anschaulichkeit und Seele zu verleihen. Wobei sich Scarlatti noch zusätzlich die Hände bindet, da er in diesem 1715 entstandenen Spätwerk mit einer reinen Streicherbesetzung arbeitet, der er dann aber mittels mannigfaltiger Soli eine um so erstaunlichere klangliche Vielfalt abtrotzt. Noch beeindruckender wirkt die Abwechslung im rhetorischen Ausdruck und hier zeigen auch der beherzt zupackende Biondi und seine Instrumentalisten die größte Stärke (während sich in der Intonation bisweilen ein ganz leichter haut-gout bemerkbar macht). Die Solisten scheinen bei jedem verschwurbelten Argument genau zu wissen, was sie singen; vor allem aber entwickeln sie mit Scarlatti und Biondi aus jeder Stufe des intellektuellen Disputs klare und starke Emotionen. Paul Agnew weicht als Unglaube nie der Spott aus der Stimme, während die auserlesene Sopranistinnenriege Wortverständlichkeit in Höhe und Tiefe, Koloraturfestigkeit mit einer keuschen Sinnlichkeit verbindet. Also: Womit auch immer sich andere Interpreten bei faden Wiedergaben barocker Vokalwerke künftig herausreden mögen - diese Aufnahme beweist klipp und klar: am Text liegt es nicht.

Carsten Niemann, 07.08.2004



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