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Alessandro Scarlatti

Kantaten

María Cristina Kiehr, Concerto Soave, Jean-Marc Aymes

Harmonia Mundi HMC 901725
(73 Min., 5/2000, 6/2000) 1 CD

Am Anfang hielte man am liebsten die Zeit an: Wenn sich in der instrumentalen Einleitung zu Scarlattis Kantate "Bella Madre de' fiori" Töne mit ihren Nachbarn reiben, dann tut das auf so wunderschöne Weise weh. Verweilte man hier, dann begegnete man allerdings nicht María Cristina Kiehr. "Ach", seufzt die als Chloris in der genannten Solokantate ihrem Fileno hinterher, "geliebte Ursache meines Grams!" Womit der schöne Schmerz, der in der Musik und in den Texten der hier zusammengestellten drei Werke Scarlattis vorherrscht, ebenso gemeint sein könnte wie das männliche Objekt der Sehnsucht selbst.
Zwar gilt bei "Bella Madre de' fiori" Scarlattis Autorschaft als ungewiss - doch wen stört das schon angesichts der Tatsache, dass es sich hier um ein wirklich schönes Stück Barockmusik mit vielen Höhen und Tiefen handelt - also mit einer ausgefeilten emotionalen Kontrast-Dramaturgie im Sinne eines "Er liebt mich - er liebt mich nicht". Die weiß das Ensemble Concerto Soave (schöner Name, mehr jedoch verrät das Beiheft nicht) tatsächlich effektbewusst zu nutzen. Auch "Poi que riseppe Orfeo" und "Correa nel seno amato" sind gute, wenngleich bei weitem nicht so wirkungsvolle Stücke.
Doch zurück zur Sängerin. María Cristina Kiehr hat eine wunderschön samtig-lyrische Stimme, deren warme, stabile Höhe maßgeblich von der weichen, dunklen Tiefe lebt, die sie grundiert und abfedert. Mindestens genauso außerordentlich ist indes der Ausdruck, den die Sopranistin den Leiden der Schäferin abzugewinnen weiß: Ganz subtil und unaufdringlich, dabei aber doch mit viel Nachdruck stellt sie Tänzerisches und Theatralisches, Lust und Lamento gegen- und nebeneinander - und am Ende wirkt das ganze so schön und so unterhaltend, dass man einige Unsicherheiten bei längeren Koloraturstrecken und bei Ansätzen in der Höhe nun wirklich nicht auf die Goldwaage legen muss.

Susanne Benda, 13.12.2001



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