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Alessandro Scarlatti

Concerti da camera

Musica Pacifica

Dorian/In-Akustik DOR-93192
(64 Min., 11/1997) 1 CD

Sein Name ist vor allem mit der Oper oder dem Oratorium verbunden; in Verbindung mit Kammermusik fällt er kaum. Alessandro Scarlatti (1660–1725) hat die neapolitanische Opernschule begründet, er hat angeblich die in der Barockoper so geläufige Da-capo-Arie "erfunden" und hat es vor allem wegen des sogenannten Neopolitanischen Sextakkords geschafft, in den musikalischen Theoriebüchern erwähnt zu werden. Aber er hat auch Kammermusik geschrieben. Vor allem in seinen späten Lebensjahren soll er sich diesem Genre gewidmet haben.
In einer Bibliothek in Neapel liegt eine handschriftliche Sonatensammlung, die mit Scarlattis Sterbejahr datiert ist und von denen das amerikanische Ensemble Musica Pacifica hier acht Werke eingespielt hat. Die Stücke zeigen einen erstaunlich originellen Umgang mit dem berühmten Vorbild Corelli, an dem sich auch Scarlatti zu messen hatte: Die Satzzahl der Stücke schwankt zwischen vier und sechs; die Besetzung von Solostreichern, Blockflöte und Continuo bietet Gelegenheit, die formalen Grenzen zwischen Kammer- und Kirchensonate, zwischen Sonate und Konzert zu verwischen. Scarlatti schreibt strenge Fugen, musikantisch ausgelassene Sätze in Annäherung an Suitentänze und ausgedehnte konzertante Stücke. Sehr außergewöhnlich ist Scarlattis Praxis, manchen Sonaten eine Cembalo-Toccata anzukleben, die dann jeweils als großer Epilog eines reich besetzten Werkes fungiert: Eine wirklich sonst kaum zu findende Art, ein Finale zu schreiben! Das Ensemble Musica Pacifica spielt, bei allem Stilgefühl, gelegentlich leicht gestelzt; ich hätte mir an manchen Stellen mehr Plastizität im Gegenüber der Instrumentengruppen gewünscht.

Oliver Buslau, 08.06.2000



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