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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Igor Strawinski, Gian Francesco Malipiero, Alfredo Casella

Pulcinella Suite, Ricercari per undici istrumenti, Scarlattiana

Kammerorchester Basel, Christopher Hogwood

Arte Nova/BMG 74321 92765-2
(59 Min., 3/2003) 1 CD

Erst jetzt, bei Teil 3 ihrer Serie zur klassizistischen Moderne, sind Christopher Hogwood und das kammerorchester basel bei Stravinskys Pulcinella-Suite angelangt. Das ist durchaus schlüssig: Der Reiz dieses Projekts liegt nämlich nicht etwa in der frappierenden Neudeutung der wenigen bekannten klassizistischen Standardwerke, sondern im umfassenderen Plädoyer für diesen noch immer viel zu gering geschätzten Zweig der Moderne. Zu diesem Repertoire gehören auch Werke wie die Scarlattiana-Suite Alfredo Casellas von 1926 oder Malipieros 1925 entstandenen Ricerari für elf Instrumente. Beide Werke sind von Stravinsky beeinflusst, aber keine Imitationen: Während Malipiero sehr frei und - im Gegensatz zu seinem Landsmann Respighi - niemals tümelnd elegante eigene Motive in die alte Form des Ricercar gießt, erzählt Casella im Dialog von Klavierpart (sportlich leicht und doch beseelt von Anthony Spiri dargeboten) und kleinem Orchester einige der bekanntesten Scarlatti-Sonaten nach. Die Baseler spielen all das so leicht wie präzise; unter Christopher Hogwood zeigen sie, dass das Aufkommen von Klassizismus, Interesse für Jazz und historische Spieltechniken in den Zwanziger Jahren tatsächlich als Ausdruck eines einheitlichen Lebensgefühls verstanden werden kann. Am Ende akzeptiert man dann wohl auch, warum die Ausführenden in Stravinskys Pulcinella-Suite der Versuchung widerstanden, buntscheckige Pierrots über die Bühne purzeln zu lassen und sich dafür lieber mittels Transparenz und Präzision auf jene technischen Details zu kaprizieren, die Casella und Malipiero zum Vorbild dienten.

Martin Neumann, 14.02.2004



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